„Die Kirche im Dorf lassen“
Der Kirchenturm mit der Uhr und den Glocken, der von weit weg zu sehen ist, informiert die Dorfeinwohner über die Zeit, eine Veranstaltung etc. Die Lage einer Dorfkirche – häufig im Zentrum des Ortes – deutet auf ihre Bedeutung hin: der Versammlungsort des ganzen Dorfes. Das Kirchengebäude muss entsprechend große Dimensionen aufweisen. Aufgrund ihrer religiösen Funktion ist die Kirche ein Bauwerk mit einem besonderen architektonischen Stil und einer auffälligen Verzierung. Diese Elemente machen die Kirche zu einem Orientierungspunkt im Dorf und in der Landschaft. Mit anderen Worten kann man sagen, dass es bei der Dorfkirche um das Herz des Dorfes geht.
Dorfkirchen unterscheiden sich durch ihre Architekturstile und die Baumaterialien, aber auch durch die Innenausstattung, sodass die Dorfkirchen vielfältig und einzigartig sind – und damit in großem Maße identitätsstiftend. Naturstein-, Backstein- oder Fachwerkkirchen sind einige der prägnanten äußeren Merkmale. Der Innenraum ändert sich auch von Dorfkirche zur Dorfkirche, insbesondere entsprechend der Glaubensrichtung. In vielen Dörfern engagieren sich Menschen für eine lebendige Gemeindearbeit aber auch für Denkmal- und Naturschutz, während andere aufgrund des Rückgangs ihrer Mitglieder mit der Gefahr eines Abrisses konfrontiert werden.
Kulturdenkmal des Jahres
Der Bund Heimat und Umwelt (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Dorfkirchen“ als Kulturdenkmal des Jahres 2005 ausgewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion auf erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen. Denn schützen und erhalten lässt sich nur, was man kennt.
Neue Bedürfnisse und Nutzungsänderungen
Aufgrund des Rückgangs von Kirchenmitgliedern und Zusammenlegung von Gemeinden sind etliche Kirchen nicht mehr von der Kirchengemeinde genutzt und damit mit Umnutzungen oder auch mit der Gefahr eines Abrisses konfrontiert. Vom Abriss bedroht sind insbesondere jüngere Kirchen, insbesondere aus der Zeit der Nachkriegszeit. Dabei sind auch diese Kirchen häufig von großem architektonischen und identitätsstiftenden Wert. Sie stehen aber meist nicht unter Denkmalschutz. Aber selbst alte, denkmalgeschützte Dorfkirchen werden abgerissen, wenn sie z.B. vom Verfall bedroht sind und keine Mittel für die Erhaltung gefunden werden. Damit gehen Träger der regionalen Geschichte und Tradition unwiederbringlich verloren.
Eine Alternative zum Abriss ist eine Umwidmung und Nutzungsänderung. Oft bringt das allerdings Eingriffe in den historischen Baubestand mit sich. Solche Beispiele sind die Kultur- und Wegekirche Landow und die St. Georg Kirche Gartow. Zur Erhaltung und Pflege der Dorfkirchen in Deutschland ist viel bürgerschaftliches Engagement notwendig.
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche in Selben, Delitzsch (Sachsen). | Foto: Tnemtsoni, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Die Dorfkirche "Zum Heiligen Kreuz" in Bettenhausen, Rhönblick (Thüringen). | Foto: Antar2, Public domain, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche „Kultur- und Wegekirche" Landow, Dreschvitz (Mecklenburg-Vorpommern). | Foto: Rauenstein, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche in Rieseberg, Königslutter am Elm (Niedersachsen) | Foto: Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Kirche in Pfalzheim, Temnitzquell (Brandenburg). | Foto: Hans G. Oberlack, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche in Küdow, Temnitztal (Brandenburg). | Foto: Hans G. Oberlack, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche in Wilkendorf, Altlandsberg (Brandenburg). | Foto: Exprimidor, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche in Vietznitz, Wiesenaue (Brandenburg). | Foto: Hans G. Oberlack, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche in Landow, Dreschvitz (Mecklenburg-Vorpommern). | Foto: Assenmacher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche Schönwalde, Schönwald (Brandenburg). | Foto: Assenmacher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2005
Dorfkirche St. Georg in Gartow, Wendland (Niedersachsen). | Foto: Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Ihre Mitwirkung
Dorfkirchen sind Teil unseres kulturellen Erbes, weshalb es nötig ist, diese Bauwerke in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Zum Gelingen dieses Ziels können alle Bürgerinnen und Bürger beitragen – beispielsweise durch das Engagement bei einem der Vereine oder auch auf privater Ebene. Wir freuen uns über Informationen von Ihnen, damit wir öffentlich den Wert der Kulturgüter vermitteln können. Der BHU mit seinen Mitgliedsverbänden steht Ihnen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.