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- Kulturdenkmal des Jahres 2024 – Zeichen von Krieg und Frieden
Krieg und Frieden in der Kulturlandschaft
Kriege stehen für unzählige Leiden und Tragödien. In Deutschland sind besonders erinnerte Zäsuren z.B. die Varusschlacht, der Dreißigjährige Krieg, die Napoleonischen Kriege und die beiden Weltkriege. Leider werden weiterhin Kriege geführt, wie aktuell in der Ukraine, im Jemen oder im Sudan.
Deutschland ist weltweit in Konfliktgebieten an Friedensmissionen beteiligt. Unsere Vorstellungen von Krieg und Frieden sowie humanitärer Verantwortung haben sich ebenso gewandelt wie die geographischen und mentalen Landkarten. Die in Deutschland entstandene Erinnerungskultur prägt unsere Kulturlandschaft.
Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich nach den Kriegen eine vielfältige Gedenkkultur mit einer großen Anzahl an Monumenten. Anlässlich der zahlreichen Opfer des 1. Weltkriegs meldete sich auch der BHU (damals noch Deutscher Bund Heimatschutz) zur Gestaltung der Memorialkultur zu Wort. Zeitzeugen von Kriegen und Gewalt berichten von dem unsäglichen Kriegsleid und mahnen kommende Generationen vor den Folgen. Dieses Engagement manifestiert sich auch in zahlreichen Denkmälern. Manchmal sind sie einfach und offensichtlich zu erkennen wie bei Mahn- und Gedenkstätten, andernorts muss man genauer hinsehen. Zeichen des Friedens sind insbesondere an Orten zu finden, an denen Krieg beendet oder Frieden geschlossen wurde, wie z.B. der Westfälische Frieden in Münster und Osnabrück. In beiden Orten sind noch die historischen Säle, in denen die Verhandlungen stattfanden, erhalten und können besichtigt werden. Auch am Timeloberg, dem Ort der Kapitulation Nordwestdeutschlands 1945, gibt es beispielsweise einen Gedenkort.
Kulturdenkmal des Jahres
Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Zeichen von Krieg und Frieden“ mit all seinen Facetten zum Thema des Kulturdenkmals des Jahres 2024 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, macht der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaften mit ihren Elementen aufmerksam.
Gleichzeitig wird damit das bürgerschaftliche Engagement zum Fortbestand unserer Kulturlandschaften sichtbar. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. unterstützt die Kampagne 2024 als Kooperationspartner.
Der BHU greift mit dem Kulturdenkmal das Jahresthema „landscapes of conflict and peace“ der Europäischen Landschaftsdekade (DALE) auf, das vom Verband CIVILSCAPE auf europäischer Ebene koordiniert wird.
Vielfältige Kulturlandschaftselemente
Unterschiedliche Zeugnisse vom Krieg finden sich in unseren Kulturlandschaften: Da sind einerseits ehemalige Kriegsschauplätze, Schlachtfelder oder die noch erhaltenen Einschläge in Hauswänden mit der damit verbundenen Erinnerungskultur.
Aber auch die militärische Infrastruktur, wie Schützengräben, Bunker, Befestigungsanlagen, Kasernen, Appellplätze, taktische Eisenbahnlinien und Flugplätze sowie Grenzanlagen gehören dazu. Bis heute sind in der Kulturlandschaft außerdem viele Zeugnisse von der Arbeit der Kriegsgefangenen vorhanden, wie Werkssiedlungen, Straßen oder Moorentwässerungen.
Ehemalige Kriegsgefangenenlager und Vernichtungsstätten mit ihren Friedhöfen und Gedenkstätten werden von vielen Vereinen fürsorglich gepflegt, um die Erinnerungen zu bewahren. Zu den Zeugnissen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gehören große Bunkeranlagen, wie der Westwall, der sich über mehrere Bundesländer erstreckte, und versteckte Fabriken – sogenannte Waldwerke. Es ist wichtig, die Spuren dieser mit Düsternis und Grauen behafteten Seiten unserer Vergangenheit zu bewahren, nicht zuletzt, um zum Frieden aufzurufen.
Zeugnisse von Protest gegen Krieg und Militär finden sich ebenfalls zahlreich. Ein Ort des Anstoßes sind dabei oft die in nahezu jeder Gemeinde vorhandenen Kriegerdenkmäler. Insbesondere Ereignis- und damit auch Erinnerungsorte aus der Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 unterlagen und unterliegen der politischen Deutungshoheit. Damit sind sie häufig schwierige Objekte der Erinnerungskultur. Viele übersehen diese Zeichen, andere versuchen sie zu lesen, wieder andere ärgern sich darüber – und in Einzelfällen kam es zur Instrumentalisierung dieser historischen Relikte durch radikale Gruppen. Hier ist zivilgesellschaftliches Engagement besonders gefragt.
Stolpersteine, Friedensbäume, Gegendenkmale, Skulpturen, aber auch Graffiti und Kunstobjekte mahnen, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Einige Kriegsrelikte, die heute noch sichtbar sind, wurden umfunktioniert, aber zeugen von ihrer Vergangenheit (s. Düsseldorfer Bunkerkirche Sankt Sakrament.)
Es gibt aber auch Relikte, die nicht ohne Weiteres erreichbar und dennoch weiterhin gefährlich sind. Dazu zählen die mindestens 680 Wracks von Kriegsschiffen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg in der Nordsee und die 16.000 Wracks in der Ostsee. Von ihren Ladungen gehen nach wie vor Schadstoffe aus, die bis heute Ökosysteme beeinträchtigen und jederzeit explodieren können.
Unsere Erinnerungskultur zeigt sich auch in ihrer immateriellen Ausprägung z. B. in den Aktionen an nationalen Gedenktagen, wie dem Volkstrauertag. Die Ostermärsche und Friedensfeste, die in vielen Orten organisiert werden, gehören ebenso dazu wie die Nachstellungen von historischen Schlachten durch Reenactment-Gruppen. Allerdings ist zu hinterfragen, mit welchen Intentionen die jeweiligen Gruppen agieren.
Gefährdete Kulturdenkmäler
Noch Vorhandenes zeigt sich oft als nicht erkennbare Spur von Krieg oder Zeichen von Frieden und muss erklärt werden. Durch die Beseitigung beschädigter Gebäude und Trümmer entstanden vor allem in großen Städten wie Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart Trümmerberge von gewaltigen Ausmaßen. Heute sind diese Orte häufig als Parklandschaften gestaltet, die nicht mehr als Relikte aus Kriegszeiten erkennbar sind. Nur wenige Ruinen – wie die Gedächtniskirche in Berlin – sind als Mahnmale noch vorhanden.
Auf Grund von Unkenntnis können Zeichen von Krieg und Frieden unbeabsichtigt zerstört werden. Gleichzeitig verstummen nach und nach die Menschen, die uns als Zeitzeugen durch ihre Erinnerung mahnen, für Frieden einzustehen.
Daher muss auf die Pflege der Erinnerungskultur zum Erhalt von Frieden besonderer Wert gelegt werden. Denkmäler und die damit verbundenen Geschichten müssen immer wieder hinterfragt und der Umgang mit ihnen erlernt werden. Die Organisation von Gedenkveranstaltungen und die Beteiligung an ihnen hat einen wichtigen Anteil an der Aufrechterhaltung und Entwicklung unserer Erinnerungskultur.
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Der weiße Stier vom Humboldthain (Berlin) gewann 1900 bei der Weltausstellung in Paris eine Silbermedaille. Er wurde von der Berliner Verwaltung zur Aufstellung im Humboldthain gekauft, dort im 2. Weltkrieg zerstört, anschließend mit Erde bedeckt und vergessen; 2023 lokalisierte der Verein Berliner Unterwelten den Stier, legte ihn frei und engagiert sich nun für eine Wiederaufstellung. | Foto: Eva Westphal
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Votivtafeln wurden in Bayern für die Rettung aus großer Not vornehmlich in Wallfahrtskirchen und -kapellen geweiht. Viele dieser Tafeln beziehen sich auf eine glückliche Heimkehr aus dem Krieg, so wie diese hier in der Pfarr- und Klosterkirche Gars am Inn (Bayern), die von den heimgekehrten Soldaten aus Gars gestiftet wurde. Zu sehen sind voranstürmende Soldaten, aber auch verwundete und Sterbende. | Foto: Foto:Michael Stumpf, Oberhaching
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Das Kinderfriedensfest ist Teil des Augsburger Friedensfestes (Bayern), das seit 2018 im bundesweiten Verzeichnis für Immaterielles Kulturerbe eingetragen ist. Es hat sich von einem konfessionellen Konfrontationsfest nach dem 30-jährigen Krieg zu einem ökumenisch verbindenden Fest entwickelt. Es ist Teil der institutionalisierten friedensforschung und fördert seit vielen Jahren den interreligiösen Dialog. | Foto: Christian Menkel
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Der moosbewachsene und unter Denkmalschutz stehende Grabstein von Louis Rödelstürtz auf dem Friedhof in Saarloius zeigt die Verbindung des Saarlandes zu Frankreich, im Krieg wie im Frieden. Auf dem Grabstein findet sich der Orden der Ehrenlegion. Er steht für die vielen Soldaten aus dem Saarland, die für Frankreich unter Napoleon kämpften. Louis Rödelstürtz, geboren in Saarloius, wurde schon als 11-Jähriger Soldat zunächst im Régiment Royal Deux-Ponts, in dem auch sein Vater diente. Louis kam nach langer militärischer Laufbahn nach Saarlouis/Beaumarais zurück, wo er 56-jährig verstarb. | Foto: VLS/Stephan Friedrich
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Die Kriegsgräberstätte im Dorf Holzen (Niedersachsen), die seit 1946 u.a. mit großem ehrenamtlichen Engagement eingerichtet, gepflegt und vermittelt wird, erinnert an Kriegsgefangene und Häftlinge der unterirdischen Rüstungsindustrie im Lagerkomplex Hils. | Foto: Hilko Linnemann, NHB
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Im Wald bei Hessisch-Lichtenau befinden sich die Reste der durch den NS-Staat errichteten Sprengstofffabrik Hirschhagen. Zu Tarnzwecken wurde sie im Wald gebaut und die Dächerabschlüsse mit Zacken versehen. Im Jahr 2010 wurde der mit Informationstafeln versehene Themenweg Hirschhagen durch das Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik eröffnet, um eine Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Erbe anzustoßen. | Foto: Gerd Fenner
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Schwedenschanze (Vlotho) im digitalen Geländemodell, Auflösung 0,5 m | 3D-Modell Rouven Meidlinger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons - , Rohdaten vom Land NRW: https://www.opengeodata.nrw.de/produkte/geobasis/hm
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Die Bunkerkirche St. Sakrament in Düsseldorf (NRW, Rheinland) bot einst bis zu 2.300 Personen Schutz vor Bomben, heute ist sie ein Ort der Besinnung. Dabei wird sie nicht nur als Kirche genutzt, sondern ist zugleich ein Mahnmal und ein Ausstellungsort für Kunst. | Foto: Ilion, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Der Verein „Friedenstunnel – Bremen setzt ein Zeichen“ steht für Weltoffenheit Bremens und wurde im Zusammenhang mit der Neugestaltung dieses Eisenbahntunnels von 1847 durch die Künstlerin Regina Heygster gegründet. | Foto: Jürgen Howaldt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Ringwall der Schwedenschanze Heiligenstadt in Oberfranken, Bayern | 3D-Modell Rouven Meidlinger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Das Mahnmal von Dietmar Lehmann wurde 1992 in Hausberge (NRW, Westfalen) in Erinnerung an die Zwangsarbeit von 3000 Männern und Frauen in drei KZ-Außenlagern aufgestellt. Der Verein KZ Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica widmet sich gemeinsam mit dem örtlichen Gymnasium der aktiven Erinnerungsarbeit. | Foto: Grugerio, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Alfred Broh lebte in Frankfurt/Oder (Brandenburg), als ihm dieses Schicksal widerfuhr. | Foto: Christian Michelides, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Sie werden jeweils vor dem letzten Wohnort der Menschen verlegt, bevor sie zu Opfern wurden. Hier verlegt Gunter Demnig die Stolpersteine für die Familien Weinberg und Jacob an der Aachener Strasse 399 in Köln | Foto: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Seit 2005 arbeitet der Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg (Thüringen) an der Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen NS-Rüstungswerkes REIMAHG und bietet exklusiv Führungen über das Areal bei Kahla in Thüringen. | Foto: Alexander Hoernigk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Im April 1945 wurden ca. 800 Häftlinge der NS-Diktatur zu Fuß von Hamburg nach Kiel (Schleswig-Holstein) getrieben. Eine Biografiengruppe gibt gemeinsam mit dem Heimatbund Schleswig-Holstein den zum Marsch Gezwungenen ein Gesicht und pflegt den Kontakt zu Angehörigen. | Foto: Karina Dreyer
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Geschichtsfälschende Veränderungen an dem 1936 errichteten Kriegerdenkmal in Weinheim (Schwaben) führten zu einer Initiative Weinheimer Bürger, die in direkter Sichtachse dieses Gegendenkmal für die Opfer von Gewalt, Krieg und Verfolgung errichtete. | Foto: 4028mdk09, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Durch eine Initiativgruppe des Heimatvereins Gnoien e.V., des Volksbundes und der Kirchengemeinde entstand diese Gedenkstätte auf dem alten Friedhof Gnoien (Mecklenburg-Vorpommern), die an die Verstorbenen aus Flucht und Vertreibung zwischen 1945 und 1947 erinnert. | Foto: Christian Teske
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Der Luftschutzbunker B134a (Regelbautyp „Salzgitter“) in Krumpa (Sachsen-Anhalt) wurde 1944 zum Schutz der Angestellten des Treibstoffwerkes gebaut. Durch ein Nutzungskonzept des Kultur- und Heimatvereins Mücheln befindet sich dort seit 2014 eine Ausstellung zu den Angriffen auf das Geiseltal im 2. Weltkrieg. | Foto: Gerd Fahrenhorst, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Ihre Mitwirkung
Viele Erinnerungsorte, Mahnmale und Museen sind Bestandteil einer aktiven Auseinandersetzung mit unserer Geschichte. Es gilt, die Zeichen von Krieg und Frieden in unserer Kulturlandschaft zu erkennen, zu erforschen und zu pflegen sowie das dazugehörige immaterielle Kulturerbe weiterzugeben. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können dazu beitragen, diese geschichtsträchtigen Orte zu erhalten, sie vor Verfall zu schützen und Bildungsarbeit zu leisten – beispielsweise durch die Mitwirkung in einem der zahlreichen Vereine oder auch auf privater Ebene. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden setzt sich der BHU für zivilgesellschaftliches Engagement ein
und steht als Ansprechpartner zur Verfügung.





















