Kulturlandschaft Wald
Der Wald ist unter den gegenwärtigen Klimaverhältnissen die natürliche Vegetation in Mitteleuropa. 96 % der Fläche Deutschlands wären ohne die ständige Einwirkung des Menschen von Wäldern unterschiedlicher Baumarten bedeckt. Anders als häufig angenommen ist der heutige Wald jedoch keine unverfälschte Natur, sondern – ebenso wie Agrar-, Siedlungs- und Industrielandschaft – Teil der seit Jahrtausenden genutzten und daher sich stetig wandelnden Kulturlandschaft. Infolge der verschiedenen Bewirtschaftungsformen, Nutzungen und gesellschaftlich wichtigen Funktionen ist eine Vielzahl von Waldbildern entstanden. So wurde er er Jahrhunderte hinweg genutzt, z. B. für Köhlerei, Pechbrennerei, Ackerbau und Beweidung sowie für Brenn-und Bauholznutzung. In Kriegs-und Notzeiten war er Zufluchtsort, die oder die sich für eine nachhaltige Waldnutzung mit den Erfahrungen der traditionellen Waldbewirtschaftung einsetzen. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement möchte der BHU als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine in Deutschland gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden besonders würdigen.
Kulturdenkmal des Jahres
Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Kulturlandschaft Wald“ mit all ihren Facetten als Kulturdenkmal des Jahres 2023 gewählt. Damit greift der BHU das Jahresthema „Forest and Landscape“ der Europäischen Landschaftsdekade (DALE) auf. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, macht der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaften mit ihren Elementen aufmerksam. Gleichzeitig wird damit das bürgerschaftliche Engagement zum Fortbestand unserer Kulturlandschaften sichtbar.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (sdw.de) unterstützt die Kampagne 2023 als Kooperationspartner.
Gefährdete Kulturdenkmäler
Durch den Klimawandel und durch die immer vielseitiger werdende Waldnutzung ist die Erhaltung des kulturellen Erbes im Wald stark gefährdet. Das massive Absterben von Bäumen legt Flächen frei, die vorher oftmals Schutz für das unter- sowie oberirdische Kulturerbe boten. Außerdem bedrohen der Klimawandel und die zunehmende Trockenheit auch diejenigen Bäume, die Zeugen einer bestimmten Nutzung und damit historisches Erbe sind, gleichzeitig ist das Erbe zum Teil nur schwer oder gar nicht sicht- bzw. erkennbar. Durch die zunehmende Nutzung des Waldes für Freizeitaktivitäten (Joggen, Biken u. a.) wird das Kulturerbe vielfach auch unbeabsichtigt zerstört. Daher muss das Wissen um dieses gefährdete Kulturerbe verbreitet werden. Viele früher übliche Sonderformen der Waldnutzung sind fast schon in Vergessenheit geraten. Dabei können insbesondere diese Sonderformen helfen, ein zukunftsorientiertes Nutzungskonzept für die Wälder zu entwickeln. Das hierzu benötigte Wissen sollte daher bewahrt, tradiert und angewendet werden. Letztendlich sind diese Kulturdenkmäler auch gefährdet, weil nur ein Teil von ihnen denkmalrelevant ist, andere sind es nicht und daher besonders von Zerstörung bedroht. Mit dem Kulturdenkmal des Jahres möchten der BHU und seine Mitgliedsverbände auf diese Gefährdung aufmerksam machen, ein Bewusstsein für das reiche kulturelle Erbe in den Wäldern schaffen und gute Beispiele für eine gelungene aktuelle Nutzung vorstellen.
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Auf der etwa 14 km langen Route und an bislang 41 Stationen ermöglicht der Arnsberger Heimatbund e.V. im Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) eine spannende Suche nach Verknüpfungen zwischen Mensch und Wald in Geschichte, Gegenwart und Zukunft in ökologischen, ökonomischen und sozialen Kontexten. Hier im Bild sieht man die Station, die an den letzten Wolf der Region erinnert. | Foto: Jochem Ottersbach/Arnsberger Heimatbund
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Der Wolfstein am Kesselkopf erinnert an den letzten Wolf in Niederhessen, der 1805 geschossen wurde. | Foto: Kasselaner Bartenwetzer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Blick auf einen der Pirschgänge in der Jagdanlage Rieseneck in Thüringen. | Foto: Von Thüringer Tourismusverbandes Jena-Saale-Holzland e.V. - Bilderarchiv des Thüringer Tourismusverbandes Jena-Saale-Holzland e.V., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9648561
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Ab dem 17. Jahrhundert wurde im Spreewald (Brandenburg) ein Kanalsystem angelegt, das bis heute vielfältige Funktionen übernimmt, wie die hier gezeigte Postzustellung mit dem Kahn. | Foto: JoachimKohlerBremen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Der Grüne Graben im Erzgebirge (Sachsen) wurde im 17. Jahrhundert als Wasserzulauf angelegt, um damit mechanische Geräte in den Gruben des nahegelegenen Rohstoffabbaugebiets anzutreiben. Im Bild ist der in den Fels gehauene Grabenabschnitt nahe dem Nonnenfelsen zu sehen. Der Grüne Graben befindet sich im NSG Schwarzwassertal. | foto: © Geolina, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2020
Der Baumwipfelpfades in Beelitz-Heilstätten, fotografiert am 03.11.2016 unweit von Beelitz (Brandenburg). Innerhalb der ehemaligen Lungenheilstätte wurde im September 2015 ein 320 Meter langer Baumkronenpfad eröffnet. Der Weg führt durch die Wipfel eines 200 Jahre alten Waldparks, von dem aus man den artenreichen Baumbestand und die einzigartige Architektur der aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammenden Sanatorien und historischen Gartenanlagen betrachten kann. Nach Unternehmensangaben haben im ersten Jahr etwa 185.000 Touristen den Baumwipfelpfad bestiegen. Von dem 40 Meter hohen Aussichtsturm hat man derzeit einen wundervollen Blick über den Herbstwald. Foto: Patrick Pleul/dpa (Luftaufnahme mit einer Drohne)
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Der Volkspark in der Jungfernheide in Berlin, ehemals kur fürstliches und königliches Jagdrevier, wird heute als Erholungspark genutzt. | Foto: Ich, CC0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Im Wald bei Hessisch-Lichtenau befinden sich die Reste der durch den NS-Staat errichteten Sprengstofffabrik Hirschhagen. Zu Tarnzwecken wurde sie im Wald gebaut und die Dächerabschlüsse mit Zacken versehen. Im Jahr 2010 wurde der mit Informationstafeln versehene Themenweg Hirschhagen durch das Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik eröffnet, um eine Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Erbe anzustoßen. | Foto: Gerd Fenner
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Im November 1721 wurde der Reichsgraf Rantzau im Wald bei der Schnepfenjagd ermordet. Der Hergang dieses folgenreichen Attentats ist noch heute in der Topografie des Waldes bei Barmstedt (Schleswig-Holstein) gut nachzuvollziehen, weil sich die damaligen Wegeführungen weitgehend erhalten haben. | Bearbeitung: M. Theilig, Museum der Grafschaft Rantzau e.V.
Kulturdenkmal des Jahres 2023
Das 500 Jahre alte Amtshaus auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Paulinzella beherbergt das älteste Forstamt Thüringens und wurde in den vergangenen Jahren aufwändig saniert. Besucherinnen und Besucher finden hier eine Ausstellung zum Thema „544 Jahre – erlebtes Holz“. | Foto: Michael Sander, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kulturdenkmal des Jahres 2023
In Nohfelden-Walhausen (Saarland) werden von der AG der Walhauser Vereine alle fünf Jahre die Köhlertage veranstaltet, erneut wieder im Juli 2023. Während des Festes werden auf traditionelle Weise Holzkohlen hergestellt. Hier im Bild ist die Fichtenauflegung beim Meileraufbau zu sehen. | Foto: Dietmar Böhmer
Kulturdenkmal des Jahres 2024
Nationales Geotop und Wahrzeichen des Saarlandes | © Pascal Dihé / https://www.dihe.eu
Kulturdenkmal des Jahres 2023
In Bremen-Huchting wächst in einer ehemaligen Sandgrube ein seltener Erlenbruchwald mit beginnender Vermoorung. | Foto: GrotheerR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Ihre Mitwirkung
Der Wald ist ein Teil unseres Kultur- und Naturerbes. Es gilt, ihn und seine wertvollen Elemente zu erkennen, zu pflegen und zu erhalten. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem Einsatz dazu beitragen, diese geschichtsträchtigen Orte zu erhalten und sie vor Abholzung bzw. Verfall zu schützen – beispielsweise durch die Mitwirkung in einem der zahlreichen Vereine oder auch auf privater Ebene. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden setzt sich der BHU für zivilgesellschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung.


























