Der Friedhof: ein besonderes Kulturlandschaftselement
Friedhöfe sind emotionale Stätten der Trauer und des Gedenkens. An ihnen wird der Wandel der Begräbniskultur über die Jahrhunderte deutlich. Die Grabdenkmäler, ihr Bildschmuck und ihre Texte sind beredte kulturhistorische Quellen und oft künstlerisch hervorragend gestaltet. Friedhöfe sind zudem Lebens- und Rückzugsräume vieler Tier- und Pflanzenarten und tragen durch ihr Grün zum gesunden Klima in den Städten bei. Das macht sie zu Orten der Erholung und Besinnung. So lässt sich die Verbindung von Kunst, Natur und immateriellem Kulturerbe an Friedhöfen in einzigartiger Weise darstellen und erleben.
Kulturdenkmal des Jahres
Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat „Historische Friedhöfe“ zum Kulturdenkmal des Jahres 2015 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Bürgerinnen und Bürgern vertritt, möchte der BHU mit seiner Jahresaktion auf diese bemerkenswerten, aber oft gefährdeten Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.
Kulturdenkmal Friedhof
Die Art und Weise, wie zu unterschiedlichen Zeiten mit Tod, Trauer und Erinnerung umgegangen wurde, spiegelt sich besonders in den Bildern und Symbolen, die dafür gefunden wurden: Trauernde Engel, zerbrochene Säulen und Totenschädel sind charakteristische christliche Beispiele. Im Judentum wird mit dem Motiv des Schmetterlings auf das erwartete Jenseits und die Verwandlung vom Tod zu neuem Leben verwiesen. Grabsteine, Figuren und Mausoleen, Trauerhallen und Kapellen, Denkmäler, Krematorien und andere Gebäude sind die typischen Merkmale der Friedhöfe. Wie aufwendig oder schlicht sie gestaltet wurden, hat sich immer wieder geändert.
Naturdenkmal Friedhof
Fragen des Naturschutzes spielen auf Fried höfen eine große Rolle. Durch die zahlreichen wild lebenden Arten sind Friedhöfe Biotope und oft echte Hotspots der Artenvielfalt im städtischen Raum. Viele Tier- und Pflanzenarten finden gerade auf historischen Friedhöfen geeigneten Lebens raum: Mächtige alte Bäume sind beliebte Vogelnistplätze, Fledermäuse suchen den Schutz von Höhlen in den Stämmen, historisches Mauerwerk, oft von Moosen und Flechten besiedelt, bietet Eidechsen Unterschlupf.
Gefährdete Kulturlandschaftselemente
Trotz ihrer vielfältigen Bedeutungen sind zahlreiche historische Friedhöfe gefährdet. Durch eine sich wandelnde Trauer- und Bestattungs-kultur, den Verlust der ursprünglichen Nutzung, durch Pflegebedarf und geringe finanzielle Mittel kann manches verlorengehen: vom einzelnen Grabdenkmal bis hin zu ganzen Anlagen. Das Bewusstsein über diese Werte und der Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger für dieses Erbe sind daher von großer Bedeutung. Fördervereine und Initiativen leisten wertvolle Dienste bei der Pflege, der historischen Aufarbeitung sowie bei der Vermittlung von Patenschaften für Grabdenkmäler. Diese Gruppen zeigen mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit, dass historische Friedhöfe ein faszinierendes Thema an der Schnittstelle von Kultur und Natur, Geschichte, Gegenwart und Zukunft sind.
Kulturdenkmal des Jahres 2015
Auf dem Kirchhof in Nieblum auf Föhr (Schleswig-Holstein) wurden während der Blütezeit der Seefahrt und des Walfangs vom 17. bis 19. Jahrhundert den Schiffskommandeuren, Steuerleuten, Harpunieren, Speckschneidern, Köchen und Seeleuten aufwendige Grabsteine gesetzt. Ausführliche Inschriften und bildliche Darstellungen machen sie zu „redenden Steinen“. | Foto: Heiko K.L. Schulze
Kulturdenkmal des Jahres 2015
Der Alte Friedhof Bonn feiert 2015 sein 300-jähriges Bestehen. Ein Verein von Freunden und Förderern unterstützt die Stadt bei der Pflege und vermittelt mit öffentlichen Führungen die Bedeutung der Anlage, er feiert ebenfalls Jubiläum, nämlich 40 Jahre. Kultur und Natur haben sich im Laufe der Zeit eng miteinander verzahnt. | Foto: Inge Gotzmann
Kulturdenkmal des Jahres 2015
Von 1683 bis 1872 war der sogenannte Alte Friedhof in Freiburg/Br. (Baden) in Nutzung. Um die Stadt bei der Erhaltung zu unterstützen, gründete sich 2000 eine „Gesellschaft der Freunde und Förderer“. In zwei Kampagnen wurde der herausragende Grabdenkmalbestand 2003 und 2006 restauriert. Foto: Volkmar Eidloth
Kulturdenkmal des Jahres 2015
Auf dem 1829 angelegten Tübinger Stadtfriedhof ruhen viele bedeutende Geistesgrößen. Der Impuls zur Wiedereröffnung im Jahre 2000 ging von der Bevölkerung und dem Schwäbischen Heimatbund aus. Die Inschrift auf einem expressionistisch gestalteten Grabstein fragt die Betrachter „Wanderer, wo ist Deine Heimat“. Foto: Brigitte Miller
Ihre Mitwirkung
Historische Friedhöfe sind Teil unseres Kultur- und Naturerbes. Es gilt, diese Werte zu erkennen, zu pflegen und zu erhalten. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz dazu beitragen. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt sich der BHU für solches bürgerschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie beim BHU und seinen Landesverbänden.














