Historische Rohstoffgewinnung in Kultur und Kulturlandschaft
Rohstoffgewinnung hat die Menschheit in ihrer ganzen Entwicklung nachhaltig geprägt und viele Spuren hinterlassen: Angefangen von Gräben, Trichtern und Stollenmundlöchern über Steinbrüche und kleinere Bergwerke bis hin zum industriellen Rohstoffabbau finden sich vielerorts Zeugnisse aus verschiedenen Epochen. Teilweise prägte Rohstoffgewinnung ganze Landstriche, teilweise sind ihre Hinterlassenschaften nur schwer auffindbar. Vielfach ist auch die Gesellschaft von Rohstoffgewinnung geprägt, da die kulturellen und sozialen Traditionen eng mit der Wirtschafts- und Technikgeschichte verbunden sind.
Kulturdenkmal des Jahres
Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat als Kulturdenkmal des Jahres 2016 „Zeugnisse der historischen Rohstoffgewinnung“ gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden rund eine halbe Millionen Mitglieder vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion erneut auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.
Rohstoff als treibende Kraft für den Fortschritt
Die Nutzung von Rohstoffen war für den Menschen immer ein wichtiger Faktor. Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und die Entwicklung zu unserer modernen Gesellschaft wären ohne den expandierenden Bergbau und seine technischen Verbesserungen nicht denkbar. Auch im 20. Jahrhundert ließ die Nachfrage nach Rohstoffen nicht nach: Industrie und Wirtschaft haben einen regelrechten Hunger nach Rohstoffen. Dieser hohe Bedarf wird heute großteils durch Importe abgedeckt.
Gefährdete Kulturlandschaftselemente
Leicht geraten die kleinen regionalen Zeugnisse der historischen Rohstoffgewinnung in Vergessenheit. Dies führt dazu, dass über Jahrhunderte gewachsene Strukturen und Traditionen wie die Bergmannssprache nicht mehr wahrgenommen und gepflegt werden. Da die historische Rohstoffgewinnung für die Entwicklung der einzelnen Regionen wichtig war und diese entscheidend geprägt hat, sollten die vorhandenen Zeitzeugnisse als wichtige Informationsquellen entsprechende Aufmerksamkeit bekommen. Dafür sind materielle Erhaltung, aber auch die Vermittlungsarbeit von entscheidender Bedeutung. Bürgerschaftlichem Engagement kommt hier eine tragende Rolle zu.
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Blick von den Terrakonikhalden des Wismut-Schachtes 116 in Annaberg-Buchholz (Sachsen). Die Doppel kegelhalden sind die letzten erhaltenen Wahrzeichen des Uranbergbaus ihrer Art im Erzgebirge. Historisch befand sich dort das Silberbergwerk „Heilige Drei Könige“. | Foto: Jens Kugler
Kulturdenkmal des Jahres 2016
In Dippoldiswalde (Sachsen) wurden zahlreiche Relikte aus dem hochmittelalterlichen Silberberg bau entdeckt. Sie gelten aufgrund ihres hervorragenden Erhaltungszustandes als beispielhaft für das Forschungspotenzial des mittelalterlichen Altbergbaus in Europa. Die Abbildung zeigt einen Schacht mit abgehenden Abbaubereichen und Querschlägen ca. 10 m unter der heutigen Geländeoberkante. Der Schachtbereich liegt unter einer Gasse inmitten der Dippoldiswalder Altstadt. | Foto: Heide Hönig, © Landesamt für Archäologie Sachsen
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Der „Eiffelturm von Sondershausen“ ist Wahrzeichen und Zeugnis des Kalibergbaus der Stadt Sondershausen im Südharz-Revier (Thüringen). Trotz einer Höhe von 44 m und Spannweite von 45 m erscheint das 1909–1910 errichtete Fördergerüst aufgrund seiner Stahlgitterbauweise äußerst filigran und elegant. | Foto: Thomas Fitzke, Heimatbund Thüringen
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Der „Marienstollen“ wurde 1873 angelegt. Er trägt den Namen der seinerzeitigen Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin und erschloss das Mallißer Braunkohlen-Unterflöz (Landkreis Ludwigslust-Parchim, Mecklenburg Vorpommern). 1908 stillgelegt, erfolgte 1999 seine weitestgehende Rekonstruktion und Sicherung. | Foto: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern/Pinzke
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Farbgraben bei Edelsfeld (Bayern). Bis in die 1960er Jahre wurde bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach Farberde, in der Hauptsache Goldocker, aber auch Terra di Siena (Umbra) sowie Eisenocker, abgebaut. Die im Tageund auch Untertagebau gewonnen Farben aus der Oberpfalz waren sehr begehrt und genossen Weltruf. Für die Kleinbauern in der Umgebung bedeuteten die Grubenfelder eine spürbare Aufbesserung ihrer schmalen Einkünfte. | Foto: Michael Brandel, Amberg
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Die Schachtöfen des Historischen Berg- und Kalkwerks Rüdersdorf bei Berlin wurden 1871–1877 nach dem Prinzip der Rumfordöfen errichtet und sind ein einzigartiges Beispiel für den Übergang vom Jahrhunderte alten Handwerk des Kalkbrennens zur Industrieproduktion. Bis 1967 blieb die imposante Schachtofenbatterie in Betrieb. Sie wird auch „Kathedrale des Kalks“ genannt. | Foto: © Rüdersdorfer Kultur GmbH
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Der 56 m hohe Förderturm der Grube Georg in Willroth (Rheinland-Pfalz) ist das Wahrzeichen der Region und Zeugnis eines modernen Eisenerzbergbaus, welcher bereits vor über 1000 Jahren im Tagebau begann. Der Förderturm steht über einer 970 m tiefen Schachtanlage, aus der bis zur Schließung im Jahre 1965 6,5 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert wurden. | Foto: Klaus Hermann Klaassen
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Köhler bei der Arbeit am Erdmeiler. Das Köhlerhandwerk und die Teerschwelerei wurden 2014 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen; schon 2013 war Deutschland dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. | Foto: © Harzköhlerei Stemberghaus
Kulturdenkmal des Jahres 2016
Oberfläche der Bergehalde Lydia des 1990 stillgelegten Steinkohlenbergwerks Camphausen in der Gemeinde Quierschied (Saarland). Die Großhalde, die eine Fläche von 66 haü berlagert und ein Haldenplateau von 12 ha hat, wurde in den 1950er Jahren begonnen und mit Stilllegung der Grube eingestellt. Im Rahmen der Rekultivierung des Haldenkörpers wurde die Bergeschüttung zu einer Landmarke im Bereich des Saarkohlenwaldes entwickelt. | Foto: Delf Slotta
Ihre Mitwirkung
Die historische Rohstoffgewinnung ist Teil unseres kulturellen Erbes und hat unsere Gesellschaft geprägt. Alle Bürgerinnen und Bürger können dazu beitragen, die Zeugnisse zu erhalten und bekannt zu machen. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt sich der Bund Heimat und Umwelt für bürgerschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner gerne zur Verfügung. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie direkt bei uns und bei unseren regionalen Landesverbänden.
















