Historische Mühlen und Hämmer
Die lange Entwicklungsgeschichte der Mühlen hat eine Vielzahl von Varianten hervorgebracht, die sich unter anderem durch ihre Nutzungsart und Antriebskraft unterscheiden lassen. So finden wir neben den klassischen Getreidemühlen auch Sägemühlen, Papiermühlen, Schleifmühlen, Drahtziehmühlen, Ölmühlen und viele weitere Typen. Die jeweilige Antriebsart steht häufig mit der geographischen Topologie in Verbindung, sodass beispielsweise Wassermühlen besonders in Regionen mit Gefälle oder Windmühlen im Flachland erbaut wurden.
Wo Wasser und Wind fehlten, wurde die Muskelkraft der Menschen oder Tiere genutzt. Eine Einteilung nach Unternehmensart, wie z. B. Handelsmühlen oder Lohnmühlen, sowie nach Art der Konstruktion, z. B. Kugelmühlen oder Hammermühlen, bieten weitere Betrachtungsmöglichkeiten. Aufgrund des Nutzungswandels der Energiequellen zu Kohle, Öl oder Atomkraft rückten historische Mühlen auch als Handwerksbetriebe zusehends in den Hintergrund. Dabei sind gerade sie als Zeugen vergangener Handwerkskunst und als landschaftsprägende Denkmäler der Technik besonders schützenswert.
Kulturdenkmal des Jahres
Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Kulturlandschaft Wald“ mit all ihren Facetten als Kulturdenkmal des Jahres 2023 gewählt. Damit greift der BHU das Jahresthema „Forest and Landscape“ der Europäischen Landschaftsdekade (DALE) auf. Als Bundesverband der Bger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, macht der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaften mit ihren Elementen aufmerksam. Gleichzeitig wird damit das bürgerschaftliche Engagement zum Fortbestand unserer Kulturlandschaften sichtbar.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (sdw.de) unterstützt die Kampagne 2023 als Kooperationspartner.
Besondere Kulturlandschaftselemente
Historische Mühlen und Hämmer stellen ganz besondere Elemente der Kulturlandschaft dar, weil sie bereits seit Jahrtausenden das Leben der Menschen erleichtern und damit ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von Technik und Baukunst sind. In der Landschaft sind sie oft identitätsstiftende Landmarken. Mehr noch: Sie prägen die Kulturlandschaft, die sie umgibt. So wurden beispielsweise für den Antrieb von Wassermühlen eigene Kanäle angelegt, die meist von natür lichen Flussläufen abzweigten und so dem Mühlrad oder der Wasserturbine Aufschlagwasser zuführten. Schleusen, Staudämme und Wehre halfen bei der Regulierung des Wasserstandes.
Die ersten Mühlen gab es schon 1200 v. Chr. in Mesopotamien, die in Form von naturkraftbetriebenen Maschinen die künstliche Bewässerung mit Wasserschöpfrädern gewährleisten sollten. In Europa waren es die Römer, die sich als Erste die Mühlen zunutze machten. Vitruv beschrieb 24 v. Chr. die erste Mühle mit Steinmahlgang.
In ihren Anfängen stand das Mahlen von Getreide im Vordergrund, doch im Laufe der Jahrhunderte wurde
ihre Antriebskraft für eine Vielzahl von technischen Nutzungsmöglichkeiten gebraucht.
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Die 1889 erbaute Stover Erdholländerwindmühle (Mecklenburg- Vorpommern) mahlte bis zu ihrer Stilllegung 1976 durchgehend mit Windantrieb. Zwei Jahre später wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt und kann bis heute als Mühlenmuseum besichtigt werden. | Foto: Jan-L. Bauditz
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Ursprünglich als Hammerwerk und Mühle genutzt, wurde die „Alte Schleif“ in Münchshofen (Bayern) 1890 zur Glasschleife umgebaut. Bis 1953 liefen hier, von gewal tigen Wasserrädern angetrieben, rund um die Uhr auf zwei Stockwerken die hölzernen Poliertische. | Foto: Matthias Haberl, Teublitz
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Die 1889 erbaute Stover Erdholländerwindmühle (Mecklenburg- Vorpommern) mahlte bis zu ihrer Stilllegung 1976 durchgehend mit Windantrieb. Zwei Jahre später wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt und kann bis heute als Mühlenmuseum besichtigt werden. | Foto: Jan-L. Bauditz
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Die Papiermühle Plöger (Nordrhein-Westfalen) wurde 1697 auf den Resten eines Eisenhammers erbaut. Sie nutzte mit ihren beiden oberschlächtigen Wasserrädern fast 300 Jahre lang das weiche Wasser der Niese zur Papier- und Aktendeckelherstellung. | Foto: Heimatverein Schieder e. V.
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Die bereits 1482 erbaute Schmiedeanlage in Ohrdruf (Thüringen) mit fünf großen Fallhämmern wird von vier gigan tischen Wasserrädern angetrieben. Eine weitere Attrak tion ist die 1985 stillgelegte Zwillings-Tandem-Reversier- Großdampfmaschine. | Foto: Stadt Ohrdruf, Guido Vogt
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Die Mühle am Wall (Bremen) ist eine funktionsfähige, fünfstöckige Galerieholländerwindmühle aus dem Jahr 1833. Bereits seit 1898 ist sie im Besitz der Stadt und war noch bis 1947 als Getreidemühle in Betrieb. Mitte der 90er-Jahre wurde sie ausgebaut und renoviert. | Foto: Franz Schnelle
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Die 1877 als Erdholländer errichtete Mühle in Götzberg (Schleswig-Holstein) besitzt drei Mahlgänge, die wind- und motorbetrieben sind. Bei einer Umdrehung des Flügelkreuzes rotieren die Mühlsteine fünfeinhalb Mal, was bei gutem Wind ca. 80 Umdrehungen pro Minute ausmacht. So konnten mit einem Mahlgang bis zu 800 kg Getreide pro Stunde geschrotet werden. | Foto: R. Hagen
Kulturdenkmal des Jahres 2022
Duisburg (Nordrhein-Westfalen) – Innenhafen am Abend – Werhahnmühle und ehemaliges Sacklager (heute Museumsnutzung) mit Silogebäude | Foto: © Steffen Schmitz (Carschten) / Wikimedia Commons
Ihre Mitwirkung
Historische Mühlen und Hämmer sind ein Teil unseres Kultur- und Naturerbes. Es gilt, diese wertvollen Elemente zu erkennen, zu pflegen und zu erhalten. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem Einsatz dazu beitragen, diese geschichtsträchtigen Bauwerke zu erhalten und sie vor Abriss oder Verfall zu schützen – beispielsweise durch die Mitwirkung in einem der zahlreichen ehrenamtlichen Vereine oder auch auf privater Ebene.
Gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden setzt sich der BHU für zivilgesellschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Vereinen und Initiativen, die sich für eine historische Mühle engagieren und mit einem unserer Mitgliedsverbände verbunden sind, stellt der BHU eine Plakette für ihre Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung, die die jeweilige Mühle als Kulturdenkmal des Jahres auszeichnet. Darüber hinaus ist derzeit eine mobile App zur BHU-Kampagne Kulturdenkmal des Jahres in Vorbereitung.









