BHU-Resolution

Zivilgesellschaftliches Engagement für Baukultur und gebaute Heimat

Deutsches Forum Baukultur und Denkmalpflege 2020,
am 07.11.2020

Der Verlust an Baukultur sowohl in Städten als auch im ländlichen Bereich wird in Deutschland zunehmend  spürbar. Trotz bundesweit vorhandenen gesetzlichen Grundlagen zur Stadtbildpflege und zum Denkmalschutz gehen Tag für Tag Ortsbilder unwiederbringlich verloren – auch weil Kommunen ihre Planungs- und Gestaltungshoheit für deren Erhalt nicht immer konsequent nutzen. Standardisierte Neubauten und eine Beliebigkeit von Materialien führen verstärkt dazu, dass sich Städte und Dörfer mit ehemals unverwechselbaren Kulturlandschaften immer mehr angleichen und ihren (regional)typischen Charakter verlieren. Die immer stärker zunehmende Individualisierung des Bauens ohne Bezug zur örtlichen Bauweise führt dazu, dass neue Planungen die bauliche Umgebung zu wenig respektieren und sich folglich nicht  sehr harmonisch einfügen. In allen Landesteilen ist die Tendenz zu gleichförmigen, regional unspezifischen Bauten zu beobachten. Verbunden ist dies mit dem Verlust lokaler Identitäten, deren Bewahrung aus der Perspektive eines zukunftsorientierten Heimatverständnisses unverzichtbar ist.

Mit der Deklaration zur Baukultur von Davos als Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 wurde der  dringende Bedarf einer Verbesserung unserer gebauten  Umwelt erstmals als europaweites und politisches Anliegen zum Ausdruck gebracht. Federführend von CIVILSCAPE ist daran anknüpfend die Europäische Landschaftsdekade – Decade of Action for Landscapes  in Europe (2018-2027) – DALE ins Leben gerufen worden. Das Jahresthema 2021 lautet: Baukultur.

Nachhaltigkeit für Mensch und Umwelt

Für den Bund Heimat und Umwelt in Deutschland und seine Landesverbände ist das Thema Baukultur und gebaute Umwelt umfassend definiert. Es geht uns nicht um preisgekrönte und bestaunenswerte Architektur-Highlights sondern um die Vielfalt der gewachsenen regionalen Baukultur, der Bau- und Kulturdenkmale, um erhaltenswerte und ortsbildprägende Gebäude, Quartiere oder Siedlungen, aber auch um die Qualität von neuer Architektur als Bestandteil unserer Kulturlandschaften. Es geht um sensible Einfügung in die Umgebung, maßstäbliche Gestaltung, den Bewohnerinnen und Bewohnern angepasste Funktionen und gesellschaftliche Werte für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Erhaltung von Baukultur ist immer auch angewandte Nachhaltigkeit. Die Verwendung von Materialien aus der Region und die Weiternutzung von Bestandsgebäuden als sog. graue Energie verringert oder vermeidet neuen CO2-Ausstoß.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben uns gezeigt, dass Politik, Wirtschaft und Verwaltung, aber auch Fachleute diese Ziele und Aufgaben nicht immer hinreichend wahrnehmen. Es bedarf offensichtlich einer Ergänzung und in mehrfacher Hinsicht einer Stärkung und Verbreiterung des zivilgesellschaftlichen Engagements und der öffentlichen Beteiligungskultur. Es müssen alle Instrumente eingesetzt werden, um unsere Städte und Dörfer lebenswert zu erhalten. Hierzu zählt auch der anteilige Einsatz öffentlicher Mittel als geeignetes Steuerungselement.

Unsere Forderungen

Der BHU und die Landesverbände
• fordern im Interesse unserer Heimat die Politik und die Verwaltung auf allen Ebenen auf, der Baukultur, dem Denkmalschutz bzw. der Denkmalpflege in unserer gebauten Umwelt europaweit mehr Aufmerksamkeit zu widmen und der engagierten Zivilgesellschaft und den Heimatpflegeinstitutionen mehr Partizipations- und
Steuerungsmöglichkeiten einzuräumen,
• fordern die Politik und die Verwaltungen auf, bei allen Steuerungsmechanismen für öffentliches wie privates Bauen Ressourcen schonenden Maßnahmen den Vorzug zu geben,
• fordern, dass alle Kommunen ein Leitbild zur Baukultur beschließen mögen,
• fordern eine Modifizierung der Ausbildung von Architektinnen und Architekten, Städtebauerinnen und Städtebauern sowie weiteren Disziplinen mit der Zielsetzung einer Wertschätzung von regionaler Baukultur und der Entwicklung der dazu erforderlichen Maßstäblichkeit,
• fordern, Fragen zur gebauten Umwelt in den Bildungsplänen sowie der Lehrerausbildung
zu verankern,
• fordern die Architektenkammern, Investoren und öffentliche Bauherren auf, bei Vergaben, Wettbewerben und Fortbildung die regionale Baukultur zu würdigen und tatkräftig zu unterstützen,
• fördern die umfassende Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger für das Thema Baukultur und gebaute Heimat, um für die Zukunft lebenswerte Räume in Stadt und Land zu gewährleisten,
• unterstützen inhaltlich, organisatorisch und finanziell das Bürgerengagement zu Baukultur und gebauter Heimat,
• bieten an, zwischen Bürgerinitiativen, Vereinen, Verbänden und Institutionen zu vermitteln.

RÜCKMELDUNGEN VON MITSTREITER*INNEN

Karin Budde, gegenwärtige Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag:

„Ich teile Ihre Meinung, dass einmalige Kulturlandschaften erhalten werden müssen. Sie sind wichtig für die Regionen, stiften Identität, zeigen Traditionen, sind Heimat. Grundsätzlich ist Denkmalschutz und Denkmalpflege Aufgabe der Bundesländer. Für uns ist es wichtig, Kulturlandschaften zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln. Das gilt für den ländlichen Raum aber auch für Baukultur in Städten aller Größenordnungen. Somit begleite und unterstütze ich Ihr Anliegen.“