BHU-Resolution

Landschaft gemeinsam nachhaltig gestalten durch den European Green Deal

Deutsches Forum Kulturlandschaft 2020,
am 11.12.2020

Anlass

Der European Green Deal wurde von der EU-Kommission exakt vor einem Jahr am 11 Dezember 2019 vorgelegt Die Jahrestagung des Deutschen Forums Kulturlandschaft am 11. Dezember 2020 reflektiert über den Fortschritt. Die Veranstaltung findet im Rahmen des deutschen EU-Ratspräsidentschaft statt und bindet daher explizit die europäische Dimension mit ein.

Ökosystem Landschaft

Die europäischen Landschaften sind heute tiefgreifend durch den Menschen geprägte und veränderte Ökosysteme. Insbesondere seit Mitte des 20. Jahrhunderts wandeln sie sich in einer bis dahin einmaligen Geschwindigkeit. Dadurch verschwinden alte Formen von Landschaften, die den Menschen vertraut waren, für Heimat gehalten wurden. Gleichzeitig werden die Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels auch in Mitteleuropa immer sichtbarer. Die damit einhergehenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen werden sich ohne ein aktives Gegensteuern weiter verschärfen. Diese Entwicklung führt letztendlich dazu, dass Landschaften die gewährten Leistungen immer schwerer bereitstellen können.

Das Konzept des European Green Deal (EGD) zeigt, dass die EU das Problem des Klimawandels und seiner Folgen für Mensch und Umwelt erkannt hat.

Landschaft und Klimawandel

Der Klimawandel wirkt sich in besonderem Maße auf die Landschaft, ihre Ausstattung und die dort ablaufenden Ökosystemprozesse aus. Gleichzeitig wirkt sich Landschaftnutzung auf den Klimawandel aus. Daher ist ein gesamtheitliches Management von Landschaft notwendig. Im EGD ist die Landschaft allerdings nicht explizit festgeschrieben, der Begriff als solcher wird nicht verwendet ist und nicht aufgeführt. Damit wird die Relevanz der Kulturlandschaft und ihrer künftigen Entwicklung im EGD nicht in ihrer tragenden Rolle anerkannt.

Landschaften müssen so ausgestattet sein, dass sie an eine möglichst große Bandbreite von kaum vorhersehbaren Entwicklungen angepasst werden können. Der derzeitige Zustand vieler Landschaften und die zu erwartenden Entwicklungen lassen davon ausgehen, dass dies derzeit nicht garantiert werden kann und von einer weiteren Verschlechterung der Situation auszugehen ist.

Den derzeitigen Prognosen kann nur durch einen neuen, nachhaltigen Umgang mit Landschaften entgegengetreten werden. Landschaftsentwicklung ist maßgeblich an die Prinzipien einer auf Nachhaltigkeit beruhenden Handlungsweise gebunden. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bilden dazu einen gewichtigen Handlungsrahmen, der auch in Europa zum Tragen kommen muss.

Die Europäische Landschaftskonvention (ELC) des Europarates bietet für die Umsetzung einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung das geeignete Instrument.

Was wir fordern

Die im Forum vertretene Zivilgesellschaft, Verbände und Wissenschaft sind bereit, aktiv den European Green Deal mitzugestalten. Hierzu ist eine stärkere Einbindung auf allen Ebenen erforderlich.

Die Jahresversammlung des Deutschen Forums Kulturlandschaft fordert:

  • den Europarat auf:
    • in die Richtlinien für die Durchführungsverordnung der ELC den EGD aufzunehmen.
  • die Europäische Kommission auf:
    • dass das Schutzgut Landschaft als integratives Element stärker im EGD hervorgehoben wird. Dabei ist auch die Vernetzungsfunktion der Landschaft für die im EGD aufgeführten Maßnahmen deutlich darzustellen.
    • dass die Zivilgesellschaft, wie in der ELC beschrieben, in den Prozess der nachhaltigen Landschaftsentwicklung eingebunden wird.
    • dass landschaftlich relevante Maßnahmen bei der Umsetzung des EGD auf die ELC verweisen und sie mit einbeziehen, wie es analog bereits bei der Umweltverträglichkeitsprüfung geschehen ist.
    • entsprechende Programme für internationale Zusammenarbeit zum Thema Landschaft aufzulegen. Das betrifft Förderprogramme im Bereich Klimawandel, Digitalisierung, Kultur, Bildung, angewandte Kulturlandschaftsforschung sowie die Einbindung der Zivilgesellschaft.
  • die Mitgliedsländer der Europäischen Union und insbesondere die Bundesregierung auf:
    • bei der Umsetzung des EGD mit verschiedenen landschaftsrelevanten Akteuren eng zusammenzuarbeiten und interdisziplinäre Problemlösungsstrategien zu entwickeln. Dabei muss der BHU als interdisziplinär agierender Verband stärker gehört werden, da er zwischen verschiedenen Fachdisziplinen sowie der Zivilgesellschaft vermittelt.
    • bei der Umsetzung des EGD die Zivilgesellschaft einzubinden.
  • den Deutschen Bundestag auf:
    • das Deutschland die ELC unterzeichnet und ratifiziert, um damit die Arbeitsgrundlage für die Umsetzung des EGD zu verbessern.
  • die Bundesländer auf:
    • die Grundlagenforschung im Bereich der interdisziplinären und internationalen Landschaftsentwicklung an Hochschulen zu unterstützen, insbesondere bestehende Institute zu erhalten, zu stärken und neue Institute einzurichten.
    • dass die nachhaltige, interdisziplinäre Landschaftsentwicklung Teil der Lehrpläne in relevanten Studiengängen (bspw. Denkmalpflege, Naturschutz, Forstwissenschaften, Landschaftsarchitektur, Geographie) und den Schulen sein muss. Nur so ist eine Umsetzung der im EGD geforderten Maßnahmen und die Beachtung des Schutzgutes Landschaft durch Nachwuchssicherung dauerhaft zu gewährleisten.
    • die internationale Vernetzung dieser Forschung, insbesondere von grenzübergreifenden regionalen Forschungsprojekten ist besonders zu fördern.