Krieg und Frieden in der Kulturlandschaft

Kriege stehen für unzählige Leiden und Tragödien. In Deutschland sind besonders erinnerte Zäsuren z.B. die Varusschlacht, der Dreißigjährige Krieg, die Napoleonischen Kriege und die beiden Weltkriege. Leider werden weiterhin Kriege geführt, wie aktuell in der Ukraine, im Jemen oder im Sudan.

Deutschland ist weltweit in Konfliktgebieten an Friedensmissionen beteiligt. Unsere Vorstellungen von Krieg und Frieden sowie humanitärer Verantwortung haben sich ebenso gewandelt wie die geographischen und mentalen Landkarten. Die in Deutschland entstandene Erinnerungskultur prägt unsere Kulturlandschaft.

Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich nach den Kriegen eine vielfältige Gedenkkultur mit einer großen Anzahl an Monumenten. Anlässlich der zahlreichen Opfer des 1. Weltkriegs meldete sich auch der BHU (damals noch Deutscher Bund Heimatschutz) zur Gestaltung der Memorialkultur zu Wort. Zeitzeugen von Kriegen und Gewalt berichten von dem unsäglichen Kriegsleid und mahnen kommende Generationen vor den Folgen. Dieses Engagement manifestiert sich auch in zahlreichen Denkmälern. Manchmal sind sie  einfach und offensichtlich zu erkennen wie bei Mahn- und Gedenkstätten, andernorts muss man genauer hinsehen. Zeichen des Friedens sind insbesondere an Orten zu finden, an denen Krieg beendet oder Frieden geschlossen wurde, wie z.B. der Westfälische Frieden in Münster und Osnabrück. In beiden Orten sind noch die historischen Säle, in denen die Verhandlungen stattfanden, erhalten und können besichtigt werden. Auch am Timeloberg, dem Ort der Kapitulation Nordwestdeutschlands 1945, gibt es beispielsweise einen Gedenkort.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Zeichen von Krieg und Frieden“ mit all seinen Facetten zum Thema des Kulturdenkmals des Jahres 2024 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, macht der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaften mit ihren Elementen aufmerksam.

Gleichzeitig wird damit das bürgerschaftliche Engagement zum Fortbestand unserer Kulturlandschaften sichtbar. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. unterstützt die Kampagne 2024 als Kooperationspartner.

Der BHU greift mit dem Kulturdenkmal das Jahresthema „landscapes of conflict and peace“ der Europäischen Landschaftsdekade (DALE) auf, das vom Verband CIVILSCAPE auf europäischer Ebene koordiniert wird.

Vielfältige Kulturlandschaftselemente

Unterschiedliche Zeugnisse vom Krieg finden sich in unseren Kulturlandschaften: Da sind einerseits ehemalige Kriegsschauplätze, Schlachtfelder oder die noch erhaltenen Einschläge in Hauswänden mit der damit verbundenen Erinnerungskultur.

Aber auch die militärische Infrastruktur, wie Schützengräben, Bunker, Befestigungsanlagen, Kasernen, Appellplätze, taktische Eisenbahnlinien und Flugplätze sowie Grenzanlagen gehören dazu. Bis heute sind in der Kulturlandschaft außerdem viele Zeugnisse von der Arbeit der Kriegsgefangenen vorhanden, wie Werkssiedlungen, Straßen oder Moorentwässerungen.

Ehemalige Kriegsgefangenenlager und Vernichtungsstätten mit ihren Friedhöfen und Gedenkstätten werden von vielen Vereinen fürsorglich gepflegt, um die Erinnerungen zu bewahren. Zu den Zeugnissen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gehören große Bunkeranlagen, wie der Westwall, der sich über mehrere Bundesländer erstreckte, und versteckte Fabriken – sogenannte Waldwerke. Es ist wichtig, die Spuren  dieser mit Düsternis und Grauen behafteten Seiten unserer Vergangenheit zu bewahren, nicht zuletzt, um zum Frieden aufzurufen.

Zeugnisse von Protest gegen Krieg und Militär finden sich ebenfalls zahlreich. Ein Ort des Anstoßes sind  dabei oft die in nahezu jeder Gemeinde vorhandenen Kriegerdenkmäler. Insbesondere Ereignis- und damit auch Erinnerungsorte aus der Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 unterlagen und unterliegen der politischen Deutungshoheit. Damit sind sie häufig schwierige Objekte der Erinnerungskultur. Viele übersehen diese Zeichen, andere versuchen sie zu lesen, wieder andere ärgern sich darüber – und in Einzelfällen kam es zur Instrumentalisierung dieser historischen Relikte durch radikale Gruppen. Hier ist zivilgesellschaftliches Engagement besonders gefragt.

Stolpersteine, Friedensbäume, Gegendenkmale, Skulpturen, aber auch Graffiti und Kunstobjekte mahnen, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Einige Kriegsrelikte, die heute noch sichtbar sind, wurden umfunktioniert, aber zeugen von ihrer Vergangenheit (s. Düsseldorfer Bunkerkirche Sankt Sakrament.)
Es gibt aber auch Relikte, die nicht ohne Weiteres erreichbar und dennoch weiterhin gefährlich sind. Dazu zählen die mindestens 680 Wracks von Kriegsschiffen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg in der Nordsee und die 16.000 Wracks in der Ostsee. Von ihren Ladungen gehen nach wie vor Schadstoffe aus, die bis heute Ökosysteme beeinträchtigen und jederzeit explodieren können.

Unsere Erinnerungskultur zeigt sich auch in ihrer immateriellen Ausprägung z. B. in den Aktionen an nationalen Gedenktagen, wie dem Volkstrauertag. Die Ostermärsche und Friedensfeste, die in vielen Orten organisiert werden, gehören ebenso dazu wie die Nachstellungen von historischen Schlachten durch Reenactment-Gruppen. Allerdings ist zu hinterfragen, mit welchen Intentionen die jeweiligen Gruppen agieren.

 

Gefährdete Kulturdenkmäler

Noch Vorhandenes zeigt sich oft als nicht erkennbare Spur von Krieg oder Zeichen von Frieden und muss erklärt werden. Durch die Beseitigung beschädigter Gebäude und Trümmer entstanden vor allem in großen Städten wie Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart Trümmerberge von gewaltigen Ausmaßen. Heute sind diese Orte häufig als Parklandschaften gestaltet, die nicht mehr als Relikte aus Kriegszeiten erkennbar sind. Nur wenige Ruinen – wie die Gedächtniskirche in Berlin – sind als Mahnmale noch vorhanden.

Auf Grund von Unkenntnis können Zeichen von Krieg und Frieden unbeabsichtigt zerstört werden. Gleichzeitig verstummen nach und nach die Menschen, die uns als Zeitzeugen durch ihre Erinnerung mahnen, für Frieden einzustehen.

Daher muss auf die Pflege der Erinnerungskultur zum Erhalt von Frieden besonderer Wert gelegt werden. Denkmäler und die damit verbundenen Geschichten müssen immer wieder hinterfragt und der Umgang mit ihnen erlernt werden. Die Organisation von Gedenkveranstaltungen und die Beteiligung an ihnen hat einen wichtigen Anteil an der Aufrechterhaltung und Entwicklung unserer Erinnerungskultur.

Ihre Mitwirkung

Viele Erinnerungsorte, Mahnmale und Museen sind Bestandteil einer aktiven Auseinandersetzung mit unserer Geschichte. Es gilt, die Zeichen von Krieg und Frieden in unserer Kulturlandschaft zu erkennen, zu erforschen und zu pflegen sowie das dazugehörige immaterielle Kulturerbe weiterzugeben. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können dazu beitragen, diese geschichtsträchtigen Orte zu erhalten, sie vor Verfall zu schützen und Bildungsarbeit zu leisten – beispielsweise durch die Mitwirkung in einem der zahlreichen Vereine oder auch auf privater Ebene. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden setzt sich der BHU für zivilgesellschaftliches Engagement ein
und steht als Ansprechpartner zur Verfügung.