Orte der Gemeinschaft – Orte der Begegnung

Eine Vielzahl von historischen Gebäuden und öffentlichen Plätzen können Orte der Gemeinschaft sein. Wirtshäuser, Gemeindesäle, Genossenschaftshäuser, Kretschams, Pfarrhäuser, Gasthäuser, Kleingärten, Dorflinden und Festplätze waren schon in vergangener Zeit bedeutende Versammlungsorte. Einige dieser Orte werden heute noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Andere wiederum wurden umgebaut, umgenutzt oder sind vollständig in Vergessenheit geraten. Innerhalb einer Gesellschaft sind sie jedoch ein wichtiges Kulturerbe – jahrhundertelang trafen sich dort zu verschiedenen Anlässen Jung und Alt. Historische Orte der Gemeinschaft sind auch heute oftmals noch Orte der Begegnung und damit ein elementarer Bestandteil des öffentlichen Lebens. Deshalb gilt es, diese zu schützen und zu bewahren.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden „Historische Orte der Gemeinschaft“ zum Kulturdenkmal des Jahres 2021 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

Besondere Kulturlandschaftselemente

Orte der Gemeinschaft sind ein ganz besonderes Element der Kulturlandschaft, weil sie ein Teil der Heimat der Menschen sind. Schon in den mittelalterlichen Städten waren Gasthäuser und Dorflinden wichtige Treffpunkte für die Mitglieder einer Gemeinschaft. Öffentliche Plätze aber auch die kommunalen Begegnungsräume gehörten und gehören zum alltäglichen Leben. Deshalb bewahren diese Orte bis heute die Tradition der Vergangenheit und berichten von der Versammlungs-, Glaubens- und Festkultur der vergangenen Jahrhunderte. Und auch heute noch führen Orte der Gemeinschaft Menschen unterschiedlicher Schichten und Altersklassen zusammen, stärken die Nachbarschaft und fördern den sozialen Zusammenhalt.

Gefährdete Kulturlandschaftselemente

Jedoch hat die gestiegene Mobilität und Abwanderung aus den Dörfern und kleinen Ortschaften dazu geführt, dass diese Versammlungsorte an Bedeutung verloren haben. Viele Pfarrhäuser, Gasthäuser und Festplätze werden umgebaut oder nicht mehr genutzt. Zum Teil fallen die Orte der Gemeinschaft auch der Ausdehnung von Siedlungsflächen zum Opfer. Somit gehen nicht nur Möglichkeiten der Versammlung verloren, sondern auch historische Quellen der Kultur- und Sozialgeschichte. Die Bedeutung von Orten der Gemeinschaft muss wieder in das Bewusstsein der Menschen gerufen werden, um so für deren Erhalt sorgen zu können.

Ihre Mitwirkung

Historische Orte der Gemeinschaft sind ein Teil unseres Kultur- und Naturerbes. Es gilt, diese wertvollen Elemente zu erkennen, zu pflegen und zu erhalten. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem Einsatz dazu beitragen, beispielsweise in den zahlreichen ehrenamtlichen Vereinen oder auch im Privaten. Mit Hilfe einer wirkungsvollen Bürgerbeteiligung können diese geschichtsträchtigen Gebäude und Ortsstrukturen erhalten und vor Veränderungen, Abriss oder Verfall geschützt werden. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt sich der BHU für solches bürgerschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Vereinen und Initiativen, die sich für einen Ort der Gemeinschaft engagieren und die mit einem unserer Mitgliedsverbände verbunden sind, stellt der BHU eine Plakette für ihre Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung, die den jeweiligen Ort der Gemeinschaft als Kulturdenkmal des Jahres auszeichnet.