Historische Orte der Heilung und Gesundheit

Historische Orte der Heilung und Gesundheit, wie Krankenhäuser, Heil- und Kuranlagen, Heilstätten, Wallfahrtsorte, Apotheken und Arztpraxen waren meist prächtig gebaut und gut ausgestattet. Heute erfüllen sie oft nicht mehr die Standards der modernen Medizin und werden deshalb entweder komplett umgebaut, umgenutzt oder sie verfallen. Nur wenige werden musealisiert. Sie stellen jedoch wichtige Kulturdenkmäler dar, denn all diese Gebäude und Orte sind bedeutende und zum Teil einmalige Zeugnisse der Medizin- und Heilungsgeschichte in Deutschland. Auch architekturhistorisch sind sie von großer Bedeutung. Ein Schutz dieser eindrucksvollen Baudenkmäler und Orte ist daher besonders wichtig.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Zeichen von Krieg und Frieden“ mit all seinen Facetten zum Thema des Kulturdenkmals des Jahres 2024 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, macht der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaften mit ihren Elementen aufmerksam.

Gleichzeitig wird damit das bürgerschaftliche Engagement zum Fortbestand unserer Kulturlandschaften sichtbar. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. unterstützt die Kampagne 2024 als Kooperationspartner.

Der BHU greift mit dem Kulturdenkmal das Jahresthema „landscapes of conflict and peace“ der Europäischen Landschaftsdekade (DALE) auf, das vom Verband CIVILSCAPE auf europäischer Ebene koordiniert wird.

Besondere Kulturlandschaftselemente

All diese verschiedenen historischen Gebäude und Stätten der Heilung und Gesundheit weisen charakteristische Elemente des medizinischen Verständnisses der Gesellschaft und der Versorgung früherer Zeiten auf. Die Medizinkultur ist auch ein fester Bestandteil regionaler Kulturgeschichte und Identität, da beispielsweise Krankenhäuser und Apotheken die bauliche Struktur der Städte und Dörfer dauerhaft prägten und prägen. Die historischen Gebäude und Stätten waren wichtige Orte des alltäglichen Lebens vieler Menschen und im Rahmen der Gesundheitsversorgung und der medizinischen Forschung von großer Bedeutung. Außerdem tragen sie zum Wissen über die Entwicklung des medizinischen und gesellschaftlichen Verständnisses von Krankheiten und Therapien bei. So wurde beispielsweise Tuberkulose bis zur Etablierung geeigneter Medikamente lange Zeit mit Luftkuren therapiert. Ein kritischer Umgang mit der Geschichte der historischen Gebäude ist jedoch insbesondere in den Fällen geboten, in denen politische Systeme Orte der Heilung und Gesundheit für ihre Zwecke missbraucht haben.

Gefährdete Kulturdenkmäler

Viele dieser sehr unterschiedlichen Kulturdenkmäler, die sich den Orten der Heilung und Gesundheit zuordnen lassen, sind aufgrund der medizinischen Entwicklungen in ihrem Bestehen gefährdet. Dies liegt vor allem daran, dass sie meist den moderneren Anforderungen nicht mehr entsprechen und ihre Modernisierung sowie Instandhaltung aufgrund des finanziellen Aufwandes für die Eigentümer nicht lukrativ erscheint. Die Folgen sind Leerstand, Verfall und gegebenenfalls Abriss der baulichen Anlagen, der diese Kulturdenkmäler und ihren geschichtsträchtigen, kulturellen Wert unwiderruflich zerstört. Dadurch gehen prägende Kulturlandschaftselemente in einem überwiegend schleichenden Prozess verloren. In einigen Bereichen, wie beispielsweise der Heilquellenkur, reduziert sich durch ihre Bedeutungsverluste ebenfalls das Wissen über medizinische Therapien oder Techniken früherer Zeiten. Dieses Wissen ist ein wichtiges immaterielles Kulturerbe, das auch heute noch für bestimmte medizinische Bereiche von Bedeutung sein kann.

Ihre Mitwirkung

Historische Orte der Heilung und Gesundheit sind ein Teil unseres Kultur- und Naturerbes. Es gilt, diese wertvollen Elemente zu erkennen, zu pflegen und zu erhalten. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem Einsatz dazu beitragen, beispielsweise in den zahlreichen ehrenamtlichen Vereinen oder auch im Privaten. Mit Hilfe einer wirkungsvollen Bürgerbeteiligung können diese geschichtsträchtigen Gebäude und Ortsstrukturen erhalten und vor Veränderungen, Abriss oder Verfall geschützt werden. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt sich der BHU für solches bürgerschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung.