Nutzgärten als Kultur- und Naturerbe

Nutzgärten stellen die Urform der Gärten dar und haben vor allem im ländlichen Raum eine lange Tradition. Ebenso vielseitig wie ihre Erscheinungsformen, beispielsweise als Bauern-, Schloss-, Amts-, Pfarr- oder Klostergärten, sind die in ihnen angebauten und kultivierten Nutz- und Zierpflanzen. Als Orte hoher biologischer Vielfalt sind die historischen Nutzgärten von unschätzbarem Wert. Sie sorgen für die Bewahrung eines bedeutenden Genpools. Auch die Weitergabe des Wissens um Kulturpflanzen ist ein wertvolles immaterielles Kulturerbe.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat „Historische Nutzgärten“ zum Kulturdenkmal des Jahres 2019 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

Besondere Kulturlandschaftselemente

Die Gartenkultur ist seit jeher ein fester Bestandteil regionaler Traditionen und Bräuche, und ihre Bedeutung als fester Bestandteil der Kulturgeschichte ist unverkennbar. Durch den Anbau von Gemüse, Obst, Heil- und Küchenkräutern oder auch Färbe und Faserpflanzen leisteten die Nutzgärten oft einen essentiellen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung. Bis heute prägen die angepflanzten Sorten und ihre Kultivierung dadurch unsere Ess- und Trinkkultur. Nutzgärten spiegeln daher auch regionale Besonderheiten wider.

Gefährdete Kulturdenkmäler

In den letzten Jahrzehnten sind Nutzgärten seltener geworden. Private Nutzgärten, Bauerngärten oder auch die ehemaligen Küchengärten von Krankenhäusern oder bedeutenden Herrschaftsanlagen sind in Vergessenheit geraten und etwa pflegeleichtem Rasen oder versiegelten Flächen gewichen. Der Anbau von Obst und Gemüse wird als schwierig empfunden. Zudem verliert die Selbstversorgung durch die günstigen und nahezu saisonunabhängig im Handel erhältlichen Lebens mittel an Bedeutung. Gärtnerisches Wissen um Anbau und Sortenerhalt von Pflanzen gerät zunehmend in Vergessenheit. Moderne Initiativen, wie Urban Gardening, können dies nur teilweise kompensieren. Damit ist ein schleichender Verlust prägender Kulturlandschaftselemente festzustellen, und gleichzeitig geht eine wichtige Sorten- und Artenvielfalt verloren. Diese Entwicklung wird sowohl aus Sicht der Denkmalpflege als auch des Naturschutzes mit großer Sorge betrachtet. Der BHU befasst sich in einem Schwerpunkt seiner Arbeit mit der Gartenkultur. Es ist uns daher ein besonderes Anliegen, das materielle und immaterielle Kulturund Naturerbe der historischen Nutzgärten zu bewahren und die Thematik in das Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Aktuelle positive Tendenzen, wie die anhaltende Gartenbegeisterung breiter Bevölkerungsschichten oder das in der Öffentlichkeit spürbare neue Interesse an historischen Gartenanlagen, gilt es in diesem Zusammenhang aufzugreifen und weiterzuentwickeln.

Ihre Mitwirkung

Historische Nutzgärten sind ein Teil unseres Kulturund Naturerbes. Es gilt, diese wertvollen Elemente zu erkennen, zu pflegen und zu erhalten. Vermittlungsarbeit ist dafür besonders wichtig. Alle Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem Einsatz dazu beitragen, beispielsweise in den zahlreichen ehrenamtlichen Vereinen oder auch im Privaten. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt sich der BHU für solches bürgerschaftliches Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung.