Keller – Vergessene Baudenkmäler

Keller wurden meist mit großem Aufwand erbaut und häufig nicht nur funktional, sondern auch dem Zeitgeschmack entsprechend gestaltet. Ihr Erbauen erforderte viel Fachwissen, damit die Bauten stabil und lange erhalten blieben. Keller erfüllten im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Funktionen. So dienten sie häufig zur Herstellung und Kühlung von Lebensmitteln. Keller unter Kirchen und Katakomben wurden für die Bestattung der Toten angelegt. Darüber hinaus hatten sie auch eine Schutzfunktion in Form von Bunkern und Luftschutzkellern. Bei all diesen Kellern kann es sich sowohl um eher kleine, private Einrichtungen wie auch um große, öffentlich oder industriell genutzte Anlagen handeln.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat als Kulturdenkmal des Jahres 2018 „Historische Keller“ gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion erneut auf erhaltenswerte und gefährdete Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

Kellernutzung im Laufe der Zeit

Keller dienten seit der Antike sowohl profanen wie auch religiösen Zwecken. Bereits die Römer bauten Kelleranlagen zum kühlen Lagern von Lebensmitteln und zum Speichern von Wasser. Auch viele römische Heiligtümer befanden sich unter der Erde. Zeitgleich nutzten die Germanen Erdkeller. Im Mittelalter entstanden unter zahlreichen deutschen Städten riesige Kelleranlagen, die sich oft über viele Kilometer erstreckten. Sie dienten der Lagerung, aber auch dem Schutz. In der Folge sind Kelleranlagen zum gleichen Zweck auch aus Burgen und Verteidigungsanlagen. bekannt. In Krypten unter Kirchen wurden kirchliche Würdenträger und Heilige bestattet, in Katakomben größere Teile der Bevölkerung. Während des Zweiten Weltkriegs erlangten Keller zum Luftschutz eine große Bedeutung, viele dieser Anlagen haben sich bis heute erhalten und können zu historischen Erinnerungsorten werden. Bier-, Wein- und Käsekeller dienen seit Jahrhunderten zur Herstellung dieser Produkte.

Gefährdete Kulturdenkmäler

Historische Keller sind als gefährdete Kulturdenkmäler einzustufen, denn der Nutzungszweck solcher Keller ist heute meist nicht mehr gegeben. Um Lebensmittel ganzjährig kühl zu lagern, stehen moderne Kühlhäuser zur Verfügung. Auch die Schutzfunktion vor Bomben ist heutzutage in Europa nicht aktuell. Oft fehlen aber die Mittel für die Instandsetzung und Erhaltung. Dadurch geraten historische Keller leicht in Vergessenheit. Oberirdisch nicht sichtbar, verschwinden sie aus der Erinnerung der Menschen und verfallen. Keller sind zudem auch durch physische Gegebenheiten besonders gefährdet. Sie können durch den unterirdischen Druck, durch die Bodenbeschaffenheit und durch das Grundwasser zerstört werden. Bei Baumaßnahmen
werden sie durch Unwissenheit beschädigt, oder ihre Beschädigung wird billigend in Kauf genommen. Oft ist eine Umnutzung die einzige Möglichkeit, historische Keller zu erhalten. Sie werden u.a. für die Gastronomie, zur Lagerung, als Eventraum, als Museum oder sogar als Hotel genutzt.

Ihre Mitwirkung

Keller sind ein wichtiger und besonders gefährdeter Teil des kulturellen Erbes. Um dieses Erbe zubewahren, müssen historische Keller in ihren vielfältigen Ausprägungen und historischen Bedeutungen vermittelt werden. Vor allem die Arbeit zahlreicher ehrenamtlicher Vereine und Privatpersonen trägt dazu bei, dass dieser Teil der Kulturgeschichte nicht verloren geht. Wir freuen uns über Informationen von Ihnen. Gemeinsam mit unseren Landesverbänden setzen wir uns für das bürgerschaftliche Engagementein und stehen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.