Gedenkorte – ein besonderes Element in der Kulturlandschaft

Gedenkorte erinnern an historisches Geschehen und stiften Identitäten. Sie führen uns auf die unsichtbaren Spuren vergangener Zeiten und sind Teil unserer Erinnerungskultur. Orte des Erinnerns sind vielfältig, hierzu zählen beispielsweise Gebäude, Ruinen, Denkmale, Grabmale, Statuen, Kunstwerke, Naturdenkmale, Informationstafeln oder Aussichtspunkte. Dabei geht es um Orte historischer Ereignisse und um Orte zur Erinnerung an Personen. Diese Orte können sowohl von nationaler als auch von internationaler Bedeutung sein. Es sind jedoch die regionalen und lokalen Gedenkorte, die mehr und mehr in Vergessenheit geraten und deren zugehörige Geschichte(n) heute häufig nur noch HeimatforscherInnen erzählen können.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat als Kulturdenkmal des Jahres 2017 „Historische Gedenkorte“ gewählt. Als Bundesverband der Bürgerund Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion erneut auf erhaltenswerte und gefährdete Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

Orte und Erinnerungen unterschiedlicher Emotionen

Wird an Kriege, an tragische oder grausame Begebenheiten der Geschichte erinnert, weckt dies ein beklemmendes Gefühl in uns. Vor allem gehören hierzu Orte des Gedenkens an die Verbrechen des Nationalsozialismus, Bücherverbrennungen, Gruben- oder Schiffsunglücke. Positiv konnotiert sind dagegen oft Geburts- und Wirkungsorte berühmter Persönlichkeiten, z.B. aus den Bereichen
Musik, Kunst, Wissenschaft und Politik. Außerdem sind Erinnerungen an Gestalten aus Erzählungen und Märchen sowie Schauplätze kurioser Ereignisse und Anekdoten inbegriffen.

 

Ankerpunkte geschichtlichen Lernens

Historische Erinnerungsorte sind heute Zeugnisse wichtiger Ereignisse, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Bekannte Orte ziehen viele Besucherinnen und Besucher an, Schulklassen lernen dort Geschichte und können historische Ereignisse besser nachvollziehen. Der Besuch eines Erinnerungsortes fördert ein langfristiges Lernergebnis. Die Gestaltung der Orte ist Spiegelbild der jeweiligen Epoche; ihre Ausgestaltung und Inschriften sprechen für den Geschmack und den Stil ihrer Zeit. Einige Gedenkorte unterliegen im Laufe der Zeit einem Bedeutungswandel – sie wurden nachträglich für politische Zwecke instrumentalisiert oder scheinen heute bedeutungslos. Andere Denkmäler wurden bewusst abgerissen – als emotionales Zeichen einer Zeitenwende. Leitlinien und didaktische Konzepte zum Umgang mit diesen Orten, insbesondere im Umgang mit unbequemen Erinnerungen, sind notwendiger Bestandteil
der Dokumentation unseres Zeitgeschehens.

Gefährdete Kulturdenkmäler

Gedenkorte sowie das Wissen über historische Ereignisse sind gefährdet, da nötige Gelder immer knapper werden und sich Menschen mit persönlichem Bezug, beispielsweise Zeitzeugen und Angehörige, oft nicht mehr kümmern können. Viele Gedenk orte
werden nur einmal im Jahr, an Jahres-, Geburts- oder Sterbetagen beachtet und gepflegt. Objekte, deren Gedenkzweck verloren gegangen ist bzw. als nicht (mehr) wichtig erachtet wird, verschwinden oder verkommen. Auch Vandalismus stellt ein Problem dar. Wichtig ist daher, historische Erinnerungsorte sowie
deren vielfältigen Werte und Bedeutungen zu vermitteln und Wege zu erkunden und zu verbreiten, mit denen diese Geschichtszeugnisse bewahrt werden können.

Ihre Mitwirkung

Gedenkorte stellen einen erhaltenswerten Teil unseres kulturellen Erbes dar. Die Arbeit zahlreicher ehrenamtlicher Vereine und Privatpersonen mit Patenschaften, Öffentlichkeitsarbeit und Erhaltungsmaßnahmen hilft mit, dieses Erbe zu bewahren. Wir freuen uns über Informationen von Ihnen. Gemeinsam mit unseren Landesverbänden setzen wir uns für das bürgerschaftliche Engagement ein und stehen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.