Grenzen: ein besonderes Kulturlandschaftselement

Die Liste an Grenzen mit unterschiedlichen Erscheinungsformen und Funktionen ist nahezu grenzenlos. Sie umfasst natürliche Grenzen, materielle Grenzen von Menschenhand und eine Vielzahl nicht sichtbarer, beispielsweise gesellschaftlicher Grenzen. Alle diese Grenzen prägen Kulturlandschaft, Heimat und Identität.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat als Kulturdenkmal des Jahres 2014 „Historische Grenzen“ ausgewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine vertritt der BHU über seine Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Mit seiner Aktion möchte der BHU auf gefährdete und erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

Grenzen der Kultur(en)

Kulturelle Grenzen sind, wie die politischen, historisch gewachsen, häufiger aber weniger trennscharf als Landes- oder Staatsgrenzen. Oft überschneiden und vielfach überdauern kulturelle Grenzen die politischen sogar. Sprachgrenzen, die Verbreitung von Dialekten, konfessionelle Grenzen, Mentalitätsunterschiede oder kulturelle Gepflogenheiten in der Umgangsund Esskultur sind bekannte Beispiele. Dass Identität sich entlang solcher Grenzen entwickelt, wird zum Beispiel anhand von Regionalbewusstsein und kulturellen Unterschieden deutlich, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb von Staaten: Die so genannte Äppelwoi-Grenze bezeichnet den Unterschied von Apfelweintrinkender hessischer bzw. Traubenweintrinkender rheinhessischer Bevölkerung, sie ist für deren Selbstbild von großer Bedeutung und wird bis heute augenzwinkernd gepflegt. Grenzziehungen können die kulturelle Vielfalt fördern, wenn es gelingt, dass aus Unterteilung keine Ausgrenzung wird. Eine Schattenseite solcher immaterieller Grenzen sind die sozialen Grenzen zwischen Gesellschaftsschichten, Bevölkerungsgruppen, manchmal sogar Stadtteilen oder Straßenseiten. Solche Grenzen gilt es zu überwinden.

Gefährdete Kulturlandschaftselemente

In Zeiten des Internets, des Schengen-Raums sowie der Globalisierung sind wir es gewohnt, grenzenlos zu denken und Grenzen in den Hintergrund zu stellen. Geschichtsträchtige, aber nicht mehr funktionale Grenzen wie der Limes verfielen im Laufe der Zeit. Auch der gezielte Abriss führt zu Verlusten, z.B. wenn Mauern ein Verkehrshindernis darstellen. Grenzbefestigungen wie Grenzsteine, Schranken, Tafeln oder Grenzkreuze wurden entwidmet und entfernt. Von der Berliner Mauer sind nur wenige Reste erhalten. Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass uns Grenzen trotz ihrer Allgegenwärtigkeit weniger präsent erscheinen und in den Hintergrund gedrängt werden. Da Grenzen jedoch eine wichtige Geschichtsquelle darstellen und sowohl als Mahnmal für vergangene Zeiten wirken können als auch die wertvolle kulturelle Vielfältigkeit symbolisieren, gilt es diese Erinnerungskultur mit ihren kulturlandschaftlichen Elementen zu erhalten.

Ihre Mitwirkung

Historische Grenzen sind Teil unseres kulturellen Erbes. Es lohnt sich, sie zu erfassen, zu dokumentieren und zu verstehen. Hierzu können alle Bürgerinnen und Bürger beitragen: z.B. als Ehrenamtliche in der Erfassung von Kulturlandschaftselementen, als Kulturlandschaftsführer für andere Interessierte, z.B. Schülerinnen und Schüler und als Heimatforscher. Wir freuen uns über Informationen von Ihnen, damit wir der Öffentlichkeit den hohen Wert von Kulturgütern anschaulich vermitteln können. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt sich der BHU für das bürgerschaftliche Engagement ein und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie beim BHU und seinen Landesverbänden.