Von Anbeginn der Menschheit bildet Wasser eine Grundvoraussetzung für die Versorgung und die Ernährung der Menschen. Die gegenseitige Be- einflussung von Gewässern und Menschen prägte zahlreiche Landschaften mit Wasserbauten und lässt sie heute zu sensiblen Archiven vergangener Epochen werden. Rund 7000 Jahre alte steinzeit- liche Brunnen zählen zu den europaweit ältesten Wasserbauten. Von achtzehn bekannten befinden sich sieben dieser Brunnen in Deutschland. Im Laufe der Geschichte bekamen die Gewässer weitere Funktionen. Z. B. als Antriebskraft oder Verkehrsweg, wodurch eine Vielfalt an Wasserbauten entstand.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat als Kulturdenkmal des Jahres 2011 „Historische Wasserbauten” ausgewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion auf erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen. Denn schützen und erhalten lässt sich nur, was man kennt.

Historische Wasserbauten

Bei der Betrachtung historischer Wasserbauten öffnet sich ein weites Feld. Neben den genann- ten Brunnen findet man Gräben, die im Zuge der Kultivierung von Feuchtgebieten der Ent- wässerung dienten. Solche Anlagen sind cha- rakteristisch für die – früher überwiegend torf- gewerblichen – Fehnsiedlungen der norddeut- schen Moorgebiete. Weiterhin wurden Kanäle angelegt oder der Verlauf von Fließgewässern verändert, um effiziente Reise- und Transportmöglichkeiten zu schaffen. Künstlich angelegte Gewässer wie Gräben, Teiche und Wasserläufe zur Energiegewinnung finden wir beispielsweise heute noch im Harz, als Zeugen der meist bergbaulich genutzten „Oberharzer Wasserwirtschaft“, die von der UNESCO im August 2010 zum Weltkultur- erbe ernannt wurde. Zudem sind auch heute noch Wehr- und Stauanlagen vorhanden, mit deren Hilfe sich der Pegel der Gewässer regulieren lässt.

Deiche, die in Küstenregionen und entlang von Flüssen dem Schutz vor Hochwasser dienen, sind Zeugen einer langen kulturellen Prägung einzelner Regionen. Über Mühlen, Schaufelräder, Pumpwerke, Schleusen, Aquädukte und Wasserwerke bis hin zu Hafenanlagen erschließen sich weitere Beispiele aus dem breiten Spektrum historischer Wasserbauten, die es zu erhalten gilt.

Im Zuge der heutigen Landschaftsveränderungen geht eine Vielzahl von Kulturlandschaftselementen verloren. Dies gilt insbesondere für Elemente, die nicht mehr genutzt werden. So verfallen beispielsweise Mühlengräben und Wehre, wenn der Betrieb eingestellt wurde. Damit gehen Zeugen unserer Kulturgeschichte verloren. Aktuell werden die Auswirkungen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie diskutiert. Bis zum Jahr 2015 wird im Rahmen dieser Richtlinie für die meisten Gewässer Europas ein „guter ökologischer und ein guter chemischer Zustand“ angestrebt. Dies erfolgt in der Regel durch eine Renaturierung. Diese Veränderungen können jedoch zum Verlust historischer und archäologischer Substanz führen. Daher gilt es bei der Planung von Maßnahmen, neben den ökologischen Erfordernissen auch die historischen Wasserbauten zu berücksichtigen, damit die Wasserrahmenrichtlinie nicht zum Verlust anschaulich erlebbarer Kulturgüter führt. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene ist eine verstärkte Kommunikation zwischen Natur- und Denkmalschutz unverzichtbar, um Geschichte, Identität sowie Natur- und Freizeitwert der Regionen nachhaltig zu erhalten und zu entwickeln.

Historische Wasserbauten sind Teil unseres kultu- rellen Erbes. Daher wollen wir sie erfassen und erhalten. Hierzu ist es erforderlich, diese kulturellen Bauwerke in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Zu diesem Ziel kann jeder Bürger beitragen. Wir freuen uns über Informationen von Ihnen, damit wir der Öffentlichkeit den hohen Wert der Kulturgüter anschaulich vermitteln können.

Der BHU widmet sich in seinem Aufgabenbereich der Kulturlandschaft mit ihren Elementen. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt er sich für das bürgerschaftliche Engagement ein und steht als Ansprechpartner gerne zur Verfügung. Der BHU kooperiert bei diesem Thema mit der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft (www.dwhg-ev.de).