Historisches Schulwesen

Bildung fand im Mittelalter überwiegend in Adelshäusern und kirchlichen Institutionen statt und war auf einen kleinen Personenkreis beschränkt. Eine erste Verbreiterung des Bildungsansatzes wurde durch das volkserzieherische Anliegen der Reformation ausgelöst. Meist wurde der Unterricht in Schulstuben abgehalten, häufig im Hause des Küsters bzw. des Mesners. Die flächendeckende Umsetzung der allgemeinen Schulpflicht erfolgte erst im 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein. Damit wurden in großem Maße Schulgebäude notwendig. Aus dieser Zeit stammt daher eine Vielzahl von Schulen, die als markante historische Bauten auch heute noch die Siedlungen prägen.

Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat als Kulturdenkmal des Jahres 2010 „Historische Schulgebäude” ausgewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit dieser Jahresaktion auf erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen. Denn schützen und erhalten lässt sich nur, was man kennt.

Schulen in der Stadt

Den gesellschaftlichen Entwicklungen entsprechend, eroberte das Schulgebäude seinen festen Platz in den Städten schneller als auf dem Land. Als kulturelle und wirtschaftliche Zentren waren die Städte der Wohnort des Bürgertums, das seinen Kindern eine gute Ausbildung bezahlen konnte. Die Schulgebäude fügten sich in der Anfangszeit mit ihrem Architekturstilin die Reihe weiterer städtischer gebäude wie dem Rat- und Krankenhaus ein. Seit dem 19. jahrhundert differenzierten sich nicht nur die Schultypen, sondern auch die architektonischen Stilrichtungen; Neoklassizismus, Neugotik und Jugendstil prägten nun das Erscheinungsbild städtischer Schulen. Prachtvolle Dekorationen beschränken sich aber nur auf höhere Schulen, Volksschulen zeichneten sich in der Regel durch ein bescheideneres Erscheinungsbild aus.

Schulen auf dem Land

In den Dörfern wurden Schulen in vielen Fällen erst ab dem 19. Jahrhundert gebaut. Hier gab es nur wenige höhere Schulen, die in der Regel Internate für höhere Töchter und Söhne waren. In einem Großteil der Schulgebäude auf dem Land waren Volksschulen untergebracht. Die Gebäude waren meist nach standardisierten Bauplänen errichtet, die von der zuständigen Regierungsbehörde herausgegeben wurden. Diese Volksschulen — auf dem Land wie in der Stadt — waren der Ort, an dem der Unterricht für Kinder mehrerer Altersklassen in einem Raum von einem Lehrer erteilt wurde und der unsere Vorstellung von der alten Schule heute noch prägt.

Gefährdete Kulturdenkmäler

Schulgebäude haben sich ebenso gewandelt wie der in ihnen stattfindende Unterricht. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den 70er-Jahren, entstanden große Schulzentren, die kleinere Schulen überflüssig machten. Insbesondere Dorfschulen wurden umgenutzt oder sogar abgerissen. Der aktuelle demographische Wandel hat die Bedarfssituation wieder verändert. Heute gibt es zudem neue Anforderungen an die Gebäude. So wird beispielsweise Barrierefreiheit verstärkt berücksichtigt, und für Ganztagsschulen werden Verpflegungs- und Aufenthaltsräume benötigt. Hierdurch werden Umbauten notwendig. Die Kommunen stehen jedoch vor einer weiteren großen Herausforderung. Mangelnde Energieeffizienz machen die Umstellung der Wärmetechnik oder kostspielige Wärmedämmungen notwendig. Somit wandelt sich das Erscheinungsbild der Schulgebäude. So mancher Schule droht sogar der Abriss, wenn die Modernisierungsarbeiten zu teuer erscheinen. Eine Umnutzung kann hilfreich sein, um das Gebäude zu erhalten.

Ihre Mitwirkung

Es gilt, die Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Schulgebäude zu gewährleisten und Modernisierungsmaßnahmen dem historischen Charakter gemäß durchzuführen. Damit wird ein Stück regionaltypischer Baukultur erhalten. Nicht zuletzt wird damit Schülern ermöglicht, in einem historischen Ambiente unterrichtet zu werden. Sie bekommen dadurch die Chance, einen Einblick in die Geschichte zu erlangen und eine Sensibilität für historische Gebäude und Denkmalschutz zu entwickeln. Der Bund Heimat und Umwelt möchte mit seiner jährlichen Wahl des Kulturdenkmals des Jahres auf die Vielfalt unseres kulturellen Erbes hinweisen und auf gefährdete Elemente unserer Kulturlandschaft aufmerksam machen. Mit der Nominierung der historischen Schulgebäude als Kulturdenkmal des Jahres 2010 wird auf deren kulturelle und soziale Bedeutung aufmerksam gemacht. Der BHU appelliert, die Schulgebäude verstärkt wahrzunehmen und sich für ihren Erhalt einzusetzen. Der BHU widmet sich in seinem Aufgabenbereich der Kulturlandschaft mit ihren Elementen. Gemeinsam mit seinen Landesverbänden setzt er sich für das bürgerschaftliche Engagement ein und steht als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.