Am Freitag, den 1. September 2017 veranstaltet der BHU mit dem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern in Starkow eine Tagung zum Thema Bauerngärten. Hierbei wird einerseits die Historie beleuchtet und andererseits die Bedeutung für unsere heutige Zeit herausgestellt. Denn diese gartenkulturellen Zeugnisse tragen zu Sortenerhalt, Naturerfahrung und Attraktivität ländlicher Räume bei.

Gärten im ländlichen Raum, die zumeist von Bäuerinnen angelegt und bewirtschaftet wurden, haben eine lange Tradition. Nutzpflanzengärten, zur Versorgung mit Gemüse, Obst und (Heil-)Kräutern, Färbe- und Faserpflanzen waren oft ein essentieller Beitrag zur Haushaltung. Für das Halten von Hof- und Stalltieren wurden diese dem Haus zugeordneten Flächen ebenfalls genutzt. Zusätzlich kamen auch Zierpflanzen, Brauchtumspflanzen und weitere ästhetische Komponenten seit jeher in diesen Gärten vor, die grundsätzlich aber eher funktionsgeprägt waren. Vieles von diesem Konzept ist in die Privatgärten übertragen worden und diente vor allem zur Selbstversorgung. Durch die saisonunabhängig und günstig im Handel erhältlichen Lebensmittel haben Gärten viel von ihrer ursprünglichen Funktion verloren und weichen zunehmend pflegeleichten Grünflächen.

Gezeigt werden soll bei der Veranstaltung, welche vielfältigen Potentiale solche ländlichen Gärten als Orte von Biodiversität, Wissensbewahrung und Wissensvermittlung haben können und welche Förderung von Innovationen mit diesem überlieferten Wissen möglich ist. Arten- und Sortenvielfalt sind das Ergebnis langer landwirtschaftlicher Entwicklung und damit in Nutzgärten sichtbarer Ausdruck unseres kulturellen Erbes. Des Weiteren werden auch Beispiele und Methoden der Vermittlungsarbeit herausgestellt.

PROGRAMM*

Freitag, 1. September 2017

ab 10.30 Uhr Anmeldung

11.00 Uhr Begrüßung und Einführung
Dr. Cornelia Nenz, Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern
Dr. Inge Gotzmann, Bund Heimat und Umwelt in Deutschland

11.10 Uhr Quelle und Inspiration. Gärten als lebendiges Kulturgut im Freilichtmuseum
Volker Janke, Freilichtmuseum Schwerin-Mueß

11.30 Uhr Vielfalt der Gartenkultur – Engagement für ein bedrohtes Erbe
Dr. Gertrud Hein, Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW

12.30 Uhr Landwirtschaftliche Hausgärten in Vorpommern in der Mitte des 19. Jahrhunderts
Dr. Angela Pfennig, Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur

13.00 Mittagsimbiss

14.00 Uhr Das Nützliche verschönert – Zur Ausgestaltung von ländlichen Amtshausgärten
Dr. Sylvia Butenschön, TU-Berlin, Fachgebiet Denkmalpflege

14.30 Uhr Vermittlungsarbeit für die Bedeutung von alten Nutzpflanzen
Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt VEN (angefragt)

15.00 Diskussion mit Kaffee + Kuchen

15.30 Uhr Exkursion in Starkow zu Gärten und Obstwiesen
Dr. Gerd Albrecht, Backstein Geist und Garten e.V.

17.00 Uhr Ende der Veranstaltung

*Änderungen vorbehalten

Zielgruppe:
Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierte.

Kosten und Anmeldung:
Es wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 15 Euro als Tagungsbeitrag erhoben. Mitglieder des Heimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern und Studierende zahlen den reduzierten Beitrag von 10 Euro. Der Beitrag beinhaltet die Teilnahme an der Veranstaltung, Tagungsgetränke und Imbiss. Die Dokumentation der Tagung wird Ihnen automatisch zugesandt.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um eine baldige Anmeldung beim BHU mit folgenden Angaben:
Name, Vorname, Titel
Funktion
Institution/Firma
Straße, Hausnummer
PLZ, Ort
Telefon, Fax
E-Mail
Shuttle-Service ab/zum Bahnhof Velgast gewünscht? O Ja Ankunftszeit/Abfahrtszeit
bei ermäßigtem Tagungsbeitrag: Vorlage Studentenausweis bzw. Angabe der Mitgliedschaft

Bitte überweisen Sie mit der Anmeldung den Tagungsbeitrag an den BHU:
Kreissparkasse Köln
IBAN DE94 3705 0299 0100 0078 55
BIC COKSDE33XXX
Stichwort „Bauerngärten“

Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) –
Bundesverband für Kultur, Natur und Heimat e.V.
Adenauerallee 68
53113 Bonn
Telefon: +49 228 224091
Fax: +49 228 215503
Internet: www.bhu.de
E-Mail: bhu@bhu.de

Veranstaltungsort:
Backstein Geist und Garten e.V.
Kirchsteig 9, 18469 Starkow
Telefon: 038324 – 65692
E-Mail: bgg-starkow@gmx.de

Anreise:
Der nächstgelegene Bahnhof (mit IC-Anschluss) ist „Velgast“. Wir bieten (vor Veranstaltungsbeginn und nach Veranstaltungsende) auf Anfrage einen kostenlosen Shuttle-Service an. Bitte geben Sie Ihre Anreise-/Abreisezeit bei der Anmeldung an.
PKW-Parkplätze vorhanden.

Übernachtungsmöglichkeiten:
Bei Übernachtungswünschen wenden Sie sich gerne an das Büro des Vereins Backstein Geist und Garten e.V., siehe Kontaktadresse Veranstaltungsort.

Veranstalter:
Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) ist der Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine und vertritt mit seinen Landesverbänden bundesweit rund 500.000 Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Er ist damit die größte kulturelle Bürgerbewegung dieser Art in Deutschland und zugleich anerkannter Naturschutzverband. Der BHU engagiert sich sowohl im ländlichen Raum als auch in den Städten. Die Erhaltung und Vermittlung unserer wesentlich durch die Landwirtschaft sowie deren Natur- und Kulturerbe geprägten Kulturlandschaften ist ein traditionelles Hauptanliegen des BHU.
Der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern (HMV) versteht unter Heimat die konkrete, soziale, kulturelle und natürliche Umwelt, in die die Bürger hineinwachsen oder hineinkommen, die ihnen besonders vertraut ist oder zu der sie eine Vertrautheit und enge Bindung aufbauen wollen. Unser Verband unterstützt Menschen, die traditionelle Kultur mögen, erforschen und pflegen; er setzt sich so für einen „kulturellen Umweltschutz“ ein und erzeugt Zusammenhalt. Der unterstützt den verfassungsmäßigen Kulturauftrag des Bundeslandes im Rahmen der heimatpflegerischen Aufgabenstellung.
Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit dem Verein Backstein Geist und Garten e.V., Starkow. Der Verein setzt sich dafür ein, dass historische Spuren der Natur und Kultur aufgespürt, bewahrt, erlebbar und wieder zugänglich gemacht werden. “Backstein“ steht für die architektonischen Aktivitäten – ob in der Backsteinbasilika, der Backstein-Scheune oder im historisches Dorfensemble. „Geist“ steht für das Kulturelle Leben und alle Bildungsaufgaben, die der Verein übernimmt. „Garten“ steht für die Wiedererrichtung des historischen Gartenensembles aus dem 18.- 20. Jahrhundert, seiner Pflege und fachkompetenten Führungen – einem Kleinod in der Region.

Förderer:
Das Projekt wird gefördert von der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Heimatverbände in Europa engagieren sich für das Europäische Kulturerbejahr

Das Netzwerk der Heimatverbände in Europa unterstützt bei seinem dritten Netzwerktreffen in Bozen die große Bedeutung des Europäischen Kulturerbejahres 2018 für den Zusammenhalt Europas. Das Netzwerk, das von 12 Organisationen in 10 Europäischen Ländern gebildet wird, vertritt weit über eine Million Mitglieder. Es wird das kommende Kulturerbejahr nutzen als Auftakt zu einer Kulturerbedekade, die in den nächsten zehn Jahren die europäischen Kulturbezüge in den Fokus rückt.

Mit Aktionen und Themensetzungen werden die Heimatverbände auf die Bedeutung des Kulturerbes und der Kulturlandschaften für den Europäischen Zusammenhalt herausarbeiten und vermitteln. Es gilt, den kulturellen Austausch als prägendes Merkmal Europas darzustellen und den steten Wandel von Kultur als Teil unseres Erbes und der europäischen Verständigung zu begreifen. Das Kulturerbe ist wesentliches Bindeglied in unserer Gesellschaft und stärkt den sozialen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Entwicklung Europas.

Die Wahrnehmung des Kulturerbes durch die Menschen stellt den wesentlichen Zugang zu der Thematik dar. Hinsichtlich der europäischen Dimension erarbeitet das Netzwerk einen Aktionsplan. Es werden dabei europäische Bindeglieder in den Fokus genommen. Hierzu zählen zwischenstaatliche Kulturräume (wie Alpenraum, Ostseeraum oder Nordseeraum), Verbindungswege (wie Große Flüsse oder Handelswege) und Grenzräume mehrerer Staaten. Anhand dieser Betrachtungsräume wird der kultureller Austausch und der kulturelle Wandel (bis hin zur aktuellen Flüchtlingsthematik) betrachtet. Die Bedeutung des Bürgerschaftlichen Engagements und Partizipative Wege des Kulturerbemanagements stehen dabei im Mittelpunkt der Betrachtungen.

Der verabschiedete Aktionsplan zur Europäische Vernetzung von Kulturerbeakteuren beschreibt konkret:

  • Es werden europaweit Kulturlandschaftstage veranstaltet, bei denen mit Führungen, Exkursionen oder Veranstaltungen die Wahrnehmung und das Verständnis von Kulturerbe und Kulturlandschaft gestärkt wird.
  • (Kultur-)Landschaftsobservatorien bieten eine geeignete Plattform der Akteure, Kultureller Austausch über Wandel zu dokumentieren und Partizipation zu ermöglichen
  • (Kultur-)Landschaftsforen als internationale Tagungen zu Schwerpunktthemen werden durchgeführt um weitere europäische Zusammenarbeit zu initiieren
  • Wissenstransfer (Bildungsoffensive, Capacity building) für Vermittlungsarbeit zum Kulturerbe wird durchgeführt. Hierbei werden Methoden der Vermittlung von europabezogenen Kulturerbethemen zusammengestellt und erprobt.

Das Netzwerk der Heimatverbände hat für das Europäische Kulturerbejahr drei Fokusthemen identifiziert:

  1. Immaterielles Kulturerbe,
  2. Kulinarik und
  3. Baukultur.

Alle drei Themen sind geeignet, viele Zielgruppen anzusprechen und europäische Zusammenhänge einfach und zugleich spannend zu vermitteln.

Das Netzwerk fordert die Stärkung und Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements, damit ein breites Bündnis in der Bevölkerung für das Europäische Kulturerbejahr gelingen kann. Das Netzwerk der Heimatverbände ist eines der Netzwerke des europäischen Verbandes Civilscape, der selbst wiederum in 32 Ländern Mitglieder und damit Multiplikatoren hat.


Öffentliche Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre: Qualitäten neu entdecken

Grünanlagen tragen maßgeblich zur Lebensqualität in Städten bei. Aus diesem Grund sollte ihre Erhaltung, Pflege und Entwicklung eine Selbstverständlichkeit sein. Dennoch gehen immer wieder Qualitäten von Grünflächen durch Vernachlässigung, Desinteresse und aufgrund fehlender Mittel verloren. Die Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre gehören zu den besonders gefährdeten, da ihr Wert häufig nicht erkannt wird.

Viele der Objekte sind jedoch in ihrer Formensprache und Materialverwendung bedeutende Zeugnisse des gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruchs der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit und damit identitätsstiftend für eine ganze Generation. Daher sind sie, abgesehen von ihrer lokalen und regionalen Bedeutung, in ihrer Gesamtheit als national bedeutendes Kulturerbe und Naturgut einzustufen. Dennoch wird ihnen bisher – ebenso wie der Architektur der Zeit – wenig Wertschätzung entgegengebracht.

Die nun erschienene Publikation ist das Ergebnisse aus dem Forschungs- und Vermittlungsprojekt „Nachhaltig gut. Das Stadtgrün der Nachkriegsmoderne – Qualitäten öffentlicher Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre – erkennen und kommunizieren“. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Bund Heimat und Umwelt in Deutschland e.V., des Arbeitskreises ‘Kommunale Gartendenkmalpflege’ der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz e.V. und das Fachgebiet Denkmalpflege der TU Berlin.

Gemeinsam haben die Projektpartner die Ergebnisse in einem zweibändigen Set veröffentlicht, das aus Projektbericht und Leitfaden besteht. Der Projektbericht umfasst 167 Seiten, der Leitfaden zum Erkennen typischer Merkmale des Stadtgrüns der Nachkriegsmoderne umfasst 52 Seiten. Hierbei werden die für die 1950er- und 1960er-Jahre typischen Gestaltungselemente öffentlicher Grünanlagen – Raumstruktur, Formensprache, Materialien und Ausstattung – kurz beschrieben und beispielhaft durch Abbildungen veranschaulicht. Der Leitfaden dient zum Erkennen typischer Merkmale des Stadtgrüns der Nachkriegsmoderne. Für Fachleute und interessierte Laien soll der Leitfaden vor allem Wissen vermitteln, um die Anlagen dieser Zeit aufzuspüren.

Das Projekt soll dazu beitragen, die Qualitäten der damals entstandenen Grünanlagen zu erkennen und damit langfristig auf die Erhaltung des gartenkulturellen Erbes dieser Zeit hinzuwirken.

Das Publikationsset kann kostenlos über den BHU bezogen werden, Spende willkommen.

Das Projekt wurde gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).